Wie Roboter Schülern Teamarbeit lehren

Premiere für den Regionalentscheid der World Robot Olympiad am Franziskusgymnasium in Lingen

Lingen Zum ersten Mal hat in der Turnhalle des Franziskusgymnasiums in Lingen am Samstag der Regionalentscheid der World Robot Olympiad (WRO) stattgefunden. Dabei ging es nicht nur darum, welche Roboter am besten kicken oder Dinge von A nach B bringen, sondern um Begeisterung für Technik, Teamarbeit und Freiräume.

Der Countdown läuft: Noch knapp zwei Minuten zeigt die Uhr für die Bauphase an – doch der Roboter auf Tisch A verfehlt seinen Passagier knapp. Ein Junge rauft sich die Haare, ruft: „Oh nein, das darf doch nicht wahr sein.“ Seine Teamkollegin im grünen Shirt vor einem Laptop will noch nicht aufgeben. „Ich probiere es noch einmal so“, sagt sie und tippt flink Befehle ein.

Die Gruppe am Tisch A nimmt in der „Regular Category“ beim WRO-Regionalentscheid in der Altersklasse der Acht- bis Zwölfjährigen teil. Aus Lego haben die Schüler den fahrenden Roboter gebaut, der mit einer programmierbaren Steuereinheit ausgestattet ist. Auf dem Tisch gilt es für diesen, Aufgaben zu erfüllen: Vom Feld „Schule“ soll beispielsweise ein aus Lego gebauter Passagier ins „Einkaufszentrum“, „Kino“ oder in den „Zoo“ geschoben werden. Sonderpunkte gibt es, wenn es der Roboter zurück auf das Startfeld schafft. Auch die Zeit spielt eine Rolle.

Zuvor hatten die Schüler ihre Roboter in einer ersten, zweistündigen Bauphase so zusammengesetzt, wie sie ihn beispielsweise in einer Roboter-AG an der Schule entwickelt hatten. Beim Wettbewerb müssen sie das ohne Hilfe oder Anleitung schaffen, erläutert Simon Hagen.

Sie sollen es verstehen

Der Verein steht deutschlandweit hinter der WRO. „Damit wollen wir sichergehen, dass die Schüler verstehen, was sie tun“, erzählt Hagen. Das bremse auch den ein oder anderen zu ehrgeizigen „Helikopter-Lehrer“ aus. Beim Wettbewerb gibt es zudem jedes Mal eine Regeländerung, damit die Schüler ein Problem lösen müssen.

Zwischen den Wertungsläufen optimieren die Schüler ihre Roboter in weiteren ein- und halbstündigen Bauphasen. Dann tüfteln sie im Team, stecken Sensoren um, diskutieren, wie sie es mit dem Programm hinbekommen, dass der Roboter auch wirklich auf den Passagier zufährt. Ein wichtiger Zeitpunkt, denn vor allem, aber nicht nur Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften will der Verein mit den Wettbewerben wecken, erklärt Hagen: „Die Schüler sollen einen coolen Tag haben und Spaß an Technik. Aber es geht neben den Hard- auch um Soft Skills.“ Sprich: Sie sollen nicht nur programmieren und Roboter bauen, sondern auch im Team arbeiten können.

Die Veranstaltung in Lingen feiert dabei Premiere: Erstmals zählt das Franziskusgymnasium zu den 38 Ausrichtern in Deutschland, „Lingen ist direkt einer der größten Wettbewerbe“, berichtet Hagen, 33 Teams sind dabei. In den Vorjahren hatte der Regionalentscheid in Westerkappeln stattgefunden. Weil es dort nicht weiterging, sprang das Franziskusgymnasium gemeinsam mit den Gewerblichen Berufsbildenden Schule Nordhorn ein; in Lingen gab es die Kategorien „Football“ und die mit zunehmendem Alter schwerer werdende „Regular“, in der Grafschaft die „Open Category“, in der zu gesetzten Themen noch viel freier ein Roboter entwickelt werden muss.

Für das Franziskusgymnasium zeichnet Lehrer Franciskus Van den Berghe mit einer Kollegin dafür verantwortlich, dass die WRO stattfindet. Er organisiert an seiner Schule Roboter-AGs, die sonst auch in Westerkappeln am Start waren. Bei der Heimpremiere starten viele Teams unter dem Namen „FranziRobots“. „Schule muss solche Freiräume schaffen“, erklärt Van den Berghe. „Die Schüler haben nicht mehr so viel Zeit zum freien Denken und zum freien Experimentieren, wie ich sie vielleicht früher noch hatte.“

Mehr als 100 Stunden

Das Engagement der Schüler sei unglaublich, mehr als 100 Stunden habe jeder von ihnen im Vorfeld in die Roboter gesteckt. „Das Angebot wird genutzt und geliebt“, sagt Van den Berghe – und wird kurz später durch Jubel und „Oh nein“-Rufe in der Halle bestätigt: Ein Fußball-Roboter verfehlt das Tor knapp, ein Sieg für das andere Team – und für die Organisatoren der WRO.

Auf Torejagd schickten die Schüler ihre Roboter in der Sporthalle des Franziskusgymnasiums in Lingen. Fotos: Mike Röser

Hoffen, testen, umbauen: 33 Teams haben am WRO-Regionalentscheid in Lingen teilgenommen. Sie bangten nach den Wertungsläufen (Foto 1), testeten ihre fahrenden Roboter (Foto 2) und programmierten sie in den Bauphasen um (Foto 3).