Sinnlich und energiegeladen

Außergewöhnliches Konzert von China Moses und Band

Einen grandiosen musikalischen Auftakt der neuen Kultursaison bescherte die sinnliche Jazzsängerin China Moses mit einer hervorragenden Band im ausverkauften Kulturforum St. Michael. Foto: Meike Blunk

Lingen. Als Auftakt der neuen Kultursaison bekam das Publikum im ausverkauften Kulturforum St. Michael ein Musikereignis der Extraklasse geboten. Die stimmgewaltige Jazzsängerin China Moses und ihre hochkarätige Band gastierten im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage zum diesjährigen Motto „Beziehungen“.

In den Genuss dieses außergewöhnlichen Konzertes kamen auch die rund 100 Schülerinnen und Schüler der Oberstufenmusikkurse. Die Teilnahme an Konzerten im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage – mal aktiv, mal eher passiv – hat schon eine lange Tradition an unserer Schule. Eine willkommene und bereichernde Alternative zum „normalen“ Musikunterricht! (Ergänzung: Emanuele Wellenbrock-Roters)

Stadtkämmerin Monika Schwegmann dankte in ihrer Begrüßungsrede der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, dem Fachdienst Kultur sowie dem Kulturforum für die Ermöglichung solch eines außergewöhnlichen Konzertes. Sie schloss mit den Worten E. T. A. Hoffmanns: „Wo Sprache aufhört, fängt die Musik an.“

Kontakt zum Publikum

Und die Musik der sinnlichen und energiegeladenen Jazzsängerin hat es in sich. Mit ihr spricht sie ihre ganz eigene „Sprache“. Moses, die Tochter der Jazzlegende Dee Dee Bridgewater hat den Jazz und den Gesang förmlich mit der Muttermilch aufgesogen. Mit ihrer ausdrucksstarken und raumfüllenden Altstimme schuf sie eine atmosphärische Dichte in der ehemaligen Kirche, die unter die Haut ging. Doch Moses kann nicht nur wunderbar singen und die Musik, die sie in sich verspürt, auf bahnbrechende Weise zum Leben erwecken, sondern sie hat auch die Gabe, mit dem Publikum in eine offenherzige Beziehung zu treten. Durch kleine Anekdoten ließ die seit vielen Jahren in Paris lebende Künstlerin das Publikum am Entstehungsprozess mancher Songs sowie persönlicher Entwicklungen teilhaben.

Facettenreiche Stimme

„Dinah’s Blues“, eine Synthese zwischen Jazz und Blues, hat sie Dinah Washington gewidmet, die nur 39 Jahre alt wurde, aber ein pralles und intensives Leben geführt hat. Mit dem rockigen „Hungover“ erzählte sie von der Wirkung des Whiskytrinkens zu zweit in einer Bar. In „Watch Out“ und „Put it on the Line“ singt sie über die Leidenschaft und das aus der Genussfähigkeit ein Laster werden kann. Das Ende einer Beziehung und den Wunsch nach einem Neuanfang besang sie in „Whatever“. Moses tauchte ganz und gar in die Tiefen und Höhen ihrer Songs ein und meisterte mit einer unglaublich facettenreichen Stimme die Komplexität ihrer Songs sowie die große Bandbreite der unterschiedlichen miteinander verwobenen Rhythmen.

Hervorragend begleitet wurde sie von vier exzellenten Musikern. Luigi Grasso verabreichte am Saxofon (überwiegend Bariton) und Keyboard den Liedern nuancenreiche Stimmungen. Neil Charles verlieh den Arrangements am Bass einen besonderen Stil. Schlagzeuger Marijus Aleska verstand es, voluminöse wie auch dezentere Akzente zu setzen. Der Flügel, souverän von Mike Gorman bedient, war förmlich das melodiöse Bindeglied. Sichtlich berührt bedankte sich das Publikum nach der großartigen Zugabe mit lang andauerndem Applaus.