Seminarfachabend 2019

Worüber es sich alles recherchieren lässt! Worüber es sich lohnt, möglichst wissenschaftlich fundiert Gedanken zu machen! Wie anschaulich Sachverhalte auf den Punkt gebracht werden können!

Die Gäste des diesjährigen Seminarfachabends staunen nicht schlecht. Sie hören an diesem Abend interessante und abwechslungsreiche Vorträge. Ob es um die Frage nach einem Noviziat in einem Orden geht, um gruppendynamische Prozesse im Leistungssport oder wie heutiger Museumsbau die Verbindung von innen und außen betont – die Besucher im bis auf den letzten Platz gefüllten Forum unserer Schule werden ihr Kommen an diesem Abend nicht bereuen. Die Schülerinnen und Schüler aus den 10. und 11. Klassen erhalten einen Eindruck, worin die Arbeit eines für sie neuen Faches, nämlich des Seminarfaches besteht, welchen Umfang eine darin gefertigte Facharbeit einnehmen kann und welche Möglichkeiten es bei der Themenwahl gibt.

Die 12er honorieren durch ihre Anwesenheit die geleistete Arbeit ihrer MitschülerInnen und verschaffen sich einen Eindruck, was denn in den anderen Seminarfächern als das von ihnen belegte so behandelt wurde. Die Eltern erleben ihre Kinder einmal von einer ganz anderen Seite. Vielleicht wächst der Gedanke: Studium oder allgemein die Zeit nach der Schule kann kommen in Anbetracht der Art und Weise der Präsentation und des selbstbewussten Auftretens der jungen Heranwachsenden. Nicht zuletzt zeigen die LehrerInnen durch ihr Kommen ihre Wertschätzung für getane Arbeit und für investierte Mühen und Zeit.

Der Abend beginnt mit der Präsentation dreier Kurzfilme aus dem Seminarfach Film. Ob Gruselschocker oder Tragödie, die Filme überzeugen in Sachen Machart genauso wie in Sachen Inhalt.

Anschließend teilen sich die BesucherInnen auf. Sie können in einem ersten Block zwischen vier Vorträgen wählen. In Raum 004 geht Elena Lucas zunächst der Frage nach, inwiefern sich vegetarische Ernährung und Sport vereinbaren lassen oder sogar ergänzen. Lisa Schnitker behandelt ein besonderes Gebiet im Bereich des Leistungssportes. Sie erläutert die Bedeutung der Gruppendynamik für Erfolg oder auch Misserfolg im Leistungssport.

Elena Lucas und Lisa Schnitker

Im Kunstraum gibt Caroline Reitemeyer einen Rückblick auf 50 Jahre „Skulpturprojekte Münster“. Die Konzeptidee von Klaus Bußmann und Kurator Kaspar König, die 1977 erstmals gegen den  Widerstand zahlreicher Münsteraner durchgesetzt wurde und versuchte, Kunst im öffentlichen Raum und urbanen Umfeld zu präsentieren, hat sich inzwischen zu einer international anerkannten Ausstellungsform entwickelt. Nach inzwischen fünf Skulpturprojektveranstaltungen sind nach Meinung der Referentin durch die Implementierung zahlreicher Ausstellungsexponate in und um Münster verschiedene kommunikative Räume entstanden, die das Stadtbild und vor allem auch die Einstellung der Münsteraner Bevölkerung zu dieser zunächst so umstrittenen Gegenwartskunst entscheidend verändert haben. 

Caroline Reitemeyer

Ein Thema aus dem Bereich der Naturwissenschaft wird von Lisanne Schöpping behandelt. Es geht um den Mediziner und Wissenschaftler Ferdinand Sauerbruch. Lisanne veranschaulicht seine Entdeckungen und Leistungen auf dem Gebiet der Chirurgie. Aber auch seine ambivalente Haltung während des Nationalsozialismus wird differenziert beleuchtet.

Lisanne Schöpping

Im Musikraum geben Wiebke Berndsen, Lynn Sommer und Anna Weiß ihr kleines Konzert, bei dem sie schon einmal für ihre praktische Musikprüfung im Abitur proben. Die Eröffnung des musikalischen Teils gestaltet Anna gefühlvoll – sie wie auch Wiebke werden verlässlich begleitet von Lukas Klassen – mit dem Welthit „Don’t cry for me, Argentina“, einem kleinen Kunstlied von Joseph Haydn und – wieder ganz im Kontrast – mit „Wrecking Ball“ von Miley Cyrus. Lynn wählt ein berühmtes und zugleich virtuoses Klavierstück von Frederic Chopin aus. Ihre Interpretation des Fantasie Impromptu Op. 66 überzeugt nicht nur die Fachleute, sondern auch die zahlreichen jungen ZuhörerInnen. Wiebke (Violine) präsentiert sich mit dem 1. Satz aus einer Violinsonate in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und mit einer Romanze des englischen Komponisten Edvard Elgar engagiert und selbstbewusst.

Lynn Sommer
Wiebke Berndsen
Anna Weiß
Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit einer zweiten Vortragsreihe. Auf der Grundlage von Interviews mit drei Ordensfrauen gibt Benita Ungrun ihren Zuhörern einen Einblick in die Lebensweise von Ordensgemeinschaften der Franziskanerinnen und der Benediktinerinnen. Den Fokus legt Benita im Rahmen ihrer Arbeit auf die Zeit des Noviziats, in der sich Bewerberinnen und Bewerber prüfen, ob sie sich in der Lage sehen, den im Ordensgelübde geforderten Verpflichtungen dauerhaft zu entsprechen. Gleichzeitig überprüfen in dieser Probezeit vor dem Ordensgelübde auch die Orden selbst die Eignung der Anwärterinnen und Anwärter für ein Leben in der Gemeinschaft.
Benita Ungrun

Die Bedeutung eines intensiven interkulturellen Austausches und die damit verbundene Ausbildung interkultureller Kompetenz stehen im Fokus der Präsentation von Lukas Klassen. Lukas greift bei seinen Ausführungen einerseits auf die engen Bindungen und Kontakte seiner Familie mit dem südamerikanischen Land zurück, andererseits verarbeitet er persönliche Erfahrungen und Eindrücke während eines Auslandsjahres in den USA.

Lukas Klassen

Der Museumsbau steht im Mittelpunkt der Präsentation von Henrik Bickers. Henrik hat sich intensiv in seiner Facharbeit mit dem LWL-Museum in Münster beschäftigt. Interessante architektonische Merkmale dieses Museumbaus werden einem geplanten Umbau des Emslandmuseums in Lingen gegenübergestellt.

Henrik Bickers

Im Physikvortragsraum geht es bei den Vorträgen von Philipp Hopmann und Julius Wiggerthale um physikalische Themen. Philipp geht auf Albert Einstein ein. 100 Jahre nach Einsteins Vorhersage gelingt der Nachweis der Gravitationswellen. Für Philipp Anlass, darüber seine Facharbeit zu schreiben und davon an diesem Abend anschaulich zu erzählen.

Philipp Hopmann

Julius erläutert eine besondere Art von Datenübertragung. Er stellt Vorteile einer Datenübertragung mit dem Lichtwellleiter Nachteilen gegenüber, die eine solche Übertragungsform auch hat.

Julius Wiggertale

Wer weiß, wie viele Vorträge und Präsentationen die Akteure dieses Abends in ihrem demnächst anstehenden beruflichen Leben noch zu halten haben – eines ist sicher: Dieser Herausforderung dürfen sie gelassen entgegensehen.