Beeindruckende Zeitzeugenberichte ehemaliger KZ-Häftlinge aus Polen

Auf Vermittlung des Maximilian-Kolbe-Werkes und mit Unterstützung des Ludwig-Windhorst-Hauses besuchten am 13. Juni fünf ehemalige KZ-Häftlinge aus Polen das Franziskusgymnasium.

Man sieht es den fünf Frauen auf den ersten Blick nicht an, doch Krystyna Budnicka, Urszula Koperska, Jozefa Posch-Kotyrba, Maria Stroinska und Irena Szczurek haben die Gräueltaten in den Ghettos Warschau und Brody sowie den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Sachsenhausen, Katowice-Myslowice, Kietzrz,Bogumin, Rybnik, Gorzyce Maie, Potulice und Blankenburg erlebt und wie durch ein Wunder überlebt.

Die fünf Zeitzeuginnen trafen sich mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 zu einem Gedankenaustausch und berichteten dabei über ihre schrecklichen Erlebnisse während der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in Polen. Um einen intensiven Austausch der Schülerinnen und Schüler mit den fünf Gästen zu gewährleisten, teilten sie sich auf die fünf Klassen des Jahrgangs 10 auf. Sie sind heute mehrheitlich um die 80 Jahre alt, so dass sie den Terror der Nazis als kleine Kinder erlebten, wobei ihre Familien auseinandergerissen wurden. Sie sahen ihre Eltern und Angehörige, sofern diese den Terror und die menschenunwürdigen Lebensumstände in den Konzentrationslagern überlebten, erst Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs nach aufwändigen Nachforschungen der Verwandten wieder.

Das Schicksal von Frau Irena Szczurek hat die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a besonders bewegt. Ihre Eltern kamen aus dem jüdisch-polnischen Bildungsbürgertum (ihr Vater war Jurist), so dass sie sogar ein katholisches Kindermädchen hatte. Diesem Kindermädchen verdankt sie ihr Leben, denn auf Wunsch der Eltern schmuggelte das Kindermädchen Irena als zweijähriges Kind aus dem Ghetto von Brody. Sie überlebte versteckt in deren Elternhaus die Kriegsjahre bis 1945, während ihre Familie an ihr nicht bekannten Orten starb. An ihre Eltern konnte sie sich nicht mehr erinnern, das Kinder-mädchen wurde zur zweiten Mutter und auch von ihr so genannt. Später wurde sie katholisch getauft und erhielt von ihrer neuen „Mutter“ auch einen anderen Vor- und Nachnamen.

Die Schilderung dieser Erlebnisse erzeugte Gänsehautatmosphäre in den Klassen und machte den Schülerinnen und Schülern auf eindrucksvolle Art und Weise deutlich, dass die NS-Politik eben nicht nur Machtpolitik, sondern in erster Linie von der nationalsozialistischen Rassenlehre bestimmt war, so dass rassenideologische Gedanken und Vorstellungen im Vordergrund der Nazis standen, die auch konsequent in der Praxis umgesetzt wurden.

Bewundernswert war die Bereitschaft und die Fähigkeit der Zeitzeugen, von ihren schrecklichen Erlebnissen zu erzählen und auf diese Weise das Geschehen den Schülerinnen und Schülern unmittelbar nahezubringen und so deren Geschichtsbewusstsein weiter auszubilden, damit diese sich gegen jede Art von Gewalt und Terror wenden und so zur Erhaltung und Ausgestaltung unserer pluralistischen und demokratischen Rechts- und Gesellschaftsordnung beitragen.