Aktion Stolpersteine

Sechs Schülerinnen und Schüler des Franziskusgymnasiums gestalten Aktion mit

Noah Werner, Hannah Kuhl, Fynn Bosse, Jan Lillge, Dana Wilting und Michael Krümpel (alle Jg. 11) waren unter der Federführung von Herrn Lampen auf Einladung des Forums Juden-Christen aktiv an der Veranstaltung beteiligt. Mit Kurzreferaten zu den Todeslagern führten sie in die Grundthematik ein (weitere Infos im folgenden LT-Artikel).

Im Anschluss an die Aktion wurde der gesamte Jg. 11 vom Forum Juden-Christen ins Central-Kino eingeladen. Der Film „Wir sind Juden aus Breslau“ thematisierte in einprägsamer Form die Schicksale von 14 jüdischen Zeitzeugen aus Breslau von 1933 bis in die heutige Zeit (2015), um die Schülerinnen und Schüler gerade in der heutigen Zeit zu sensibilisieren im Verhalten gegenüber Mitmenschen und „Andersartigen“.

 

Stolpersteine geben Namen zurück

Aktion am Dienstag mit Künstler Gunter Demnig / Erinnerung an jüdische Bürger aus Lingen

(Thomas Pertz, Lingener Tagespost vom 19.09.2018, Seite 15)

Fünf Stolpersteine verlegte Gunter Demnig in Lingen. Über die Geschichte der jüdischen Bürger berichtete u. a. Anne Scherger (rechts). Fotos: Thomas Pertz

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat am Dienstag in Lingen fünf weitere Stolpersteine zur Erinnerung an Lingener Juden verlegt, die in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ums Leben gekommen sind.

Lingen Zahlreiche Bürger, darunter auch Schüler und Schülerinnen des Georgianums und Franziskusgymnasiums, begleiteten Demnig durch die Stadt.

Erinnerung macht Arbeit – auch körperliche: Wilhelmstraße, Burgstraße, Georgstraße – dort wo einst die Lingener Familien Herz, Os, Lewald und Moses lebten, kniet der inzwischen 70-jährige Demnig in seiner Arbeitskluft nieder. Er klopft die herausgenommenen Pflastersteine mit einem Hammer so zurecht, dass die quadratische Messingtafel mit der jeweiligen Inschrift genau in die Lücke passt. Die Ränder füllt der gebürtige Berliner mit Sand auf. Abschließend drückt er einen nassen Schwamm auf eine Rolle, bis dieser nur noch feucht ist. Dann wischt Demnig damit über den Stolperstein.

Der glänzt nun in der Sonne – ein Unikat wie alle anderen fast 70000 Steine, die der Künstler im Laufe der letzten Jahre in ganz Europa verlegt hat. Denn jeder Stein ist durch die Gravur des Namens einzigartig – so unverwechselbar, wie es jeder einzelne jüdische Bürger der Stadt Lingen gewesen war.

An sie erinnern Heribert Lange, Vorsitzender des Forums Juden-Christen, Anne Scherger und Benno Vocks sowie Schülerinnen und Schüler des Georgianums und Franziskusgymnasiums. Enno Stemann, Lilli Briese, Moritz Dietrich, Anton Krummen, Noah Werner, Hannah Kuhl, Fynn Bosse, Jan Lillge, Dana Wilting und Michael Krümpel berichten in Kurzreferaten über die Todeslager Auschwitz, Treblinka und Theresienstadt: Orte der Vernichtung jüdischen Lebens – auch aus Lingen.

„Wir gedenken ihrer heute zutiefst beschämt und mit dem festen Willen, ihr Ansehen, ihre Ehre und Menschenwürde wiederherzustellen“, sagt Lange. Mit diesen fünf seien inzwischen 49 Stolpersteine in Lingen verlegt worden. Menschen wie Meier Herz, Johanna Lewald, Johanna Moses und Andreas und Julia Os gehörten zu den millionenfachen Opfern von Hitlers Mordmaschinerie. Lange dankt allen, die sich an diesem Tag zur Ehre der Opfer des faschistischen Nationalsozialismus versammelt haben.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann aus dem Talmud, dem grundlegenden Werk der jüdischen Religion. Jeder der 49 Stolpersteine erzähle, so Tellmann, ein Stück Stadtgeschichte und erinnere damit an eines der dunkelsten Kapitel Deutschlands, auch Lingens.

„Durch die Stolpersteine bekommen diese Menschen nach so vielen Jahren einen Namen und ein Gesicht“, betont der Bürgermeister. Das unsägliche Leid der Diktatur scheine heute ebenso in Vergessenheit zu geraten wie die Bedeutung des hohen Guts der Demokratie. Deshalb seien Mahnmale und Gedenkstätten dringender denn je, hebt Tellmann hervor.

Er dankt abschließend namentlich denen, die mit der Geschichte der Stolpersteine eng verbunden bleiben: dem früheren SPD-Ratsherr Gerd Kastein als Impulsgeber der Aktion und Anne Scherger als unermüdliche Rechercheurin der jüdischen Geschichte Lingens. Zur historischen Aufarbeitung beigetragen hat auch die heute in Berlin lebende langjährige Lingenerin Anne-Dore Jakob, mit Anne Scherger freundschaftlich eng verbunden.