Thuiner Orden gibt Verantwortung ab

Vier Schulen jetzt in Trägerschaft des Bistums Osnabrück – Abschied und Schlüsselübergabe

Schlüsselübergabe 01Den symbolischen Schlüssel übergab die Thuiner Generaloberin Sr. Maria Cordis als Vertreterin des bisherigen Trägers im Beisein der Leiter u.a. des Franziskusgymnasiums und der Fachschule St. Franziskus in Lingen und Vertretern des neuen Trägers an Bischof Bode. Fotos: vb/Schulen

 

Vier der bislang acht Schulen der Thuiner Franziskanerinnen befinden sich nicht mehr in Trägerschaft des Ordens. Die Schulstiftung im Bistum Osnabrück hat diese Aufgabe übernommen.

THUINE. Im Rahmen einer Eucharistiefeier in der Christus-König-Klosterkirche hat sich der Orden im ebenso feierlichen wie nachdenklichen Rahmen von den Leitern, Lehrern und Elternvertretern des Franziskusgymnasiums und der Fachschule St. Franziskus in Lingen, des Mariengymnasiums in Papenburg und der Berufsfachschule im Marienheim in Osnabrück verabschiedet.

Im Rahmen der Messe übergab die Generaloberin Schwester Maria Cordis Reiker symbolisch den Schlüssel zu den Schulen an den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode: Die Schulstiftung im Bistum Osnabrück wird ab dem 1. Januar die Trägerschaft der vier Schulen übernehmen. In Trägerschaft des Ordens bleiben die Grund-, Haupt- und Realschule der Antoniusschule und die Berufsbildenden Schulen in Thuine, die Haupt- und Realschule in Schwagstorf und in Osnabrück die Berufsfachschule der Franz-von-Assisi-Schule.

Mangelnder Nachwuchs im Orden machte diesen Schritt notwendig. „Seit vielen Jahren fragen wir uns, wie lange unsere Mittel noch reichen, um den Schulen eine verlässliche Perspektive geben zu können. Immer weniger Schwestern standen und stehen für den Unterricht und zur Schaffung der finanziellen Grundlage zur Verfügung“, erklärte die Generaloberin. Für sie sei es aber ein „tiefes Erlebnis von Kirche“ gewesen, dass sich in einer solchen Situation die Kirchengemeinschaft in Form der Schulstiftung der Schulen annehme und diese im Sinne der franziskanischen Grundhaltung weiterführe.

Vor allem bedankte sich Schwester Maria Cordis bei allen früher und heute dort unterrichtenden und arbeitenden Schwestern, Lehrern und Mitarbeitern: „Sie alle haben sich in Loyalität zur jeweiligen Ordensleitung den Herausforderungen gestellt und jungen Menschen ein solides Fundament fürs Leben ermöglicht. Dafür danken wir von Herzen und haben sie heute eingeladen, um uns im internen Kreis voneinander zu verabschieden.“

In seiner Predigt bedankte sich Bischof Bode für die „so viele Jahre gut geführten und gut aufgestellten Schulen“ und ging unter anderem auf die Persönlichkeitsbildung, das Bewahren der Nachdenklichkeit und Bejahung des Lebens als Grundlagen für nachhaltige Bildung ein. „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat“, zitierte Bode den deutschen Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg.

Und was ändert sich künftig an den Schulen? Eine wichtige Meldung ist, dass alle rund 400 Lehrer und Mitarbeiter von der Schulstiftung übernommen werden und alle Schüler weiter ihre jeweilige Schule besuchen können. Alle Schulgebäude werden einschließlich der damit verbundenen finanziellen Lasten vom Bistum übernommen.

„Auch die noch an den Schulen arbeitenden Schwestern können weiter dort unterrichten – sogar sehr gerne“, erklärte Dr. Winfried Verburg von der Schulstiftung auf Nachfrage unserer Redaktion. Künftig können durch den größeren Verbund und die Möglichkeit von Verbeamtungen auch besser Lehrkräfte gewonnen werden; in der elften Jahrgangsstufe werde an den Gymnasien ein dreiwöchiges Sozialpraktikum eingeführt und das zu zahlende Schulgeld den bestehenden Regelungen angepasst. „Inhaltlich werden die Schulen in der bestehenden Tradition fortgeführt“, erklärte Verburg.

 

KOMMENTAR: Eine Ära ist zu Ende gegangen (c.vanbevern@noz.de)

Eine Ära ist zu Ende gegangen. Viele Schülergenerationen haben an den Schulen der Thuiner Franziskanerinnen Geistes- wie Naturwissenschaften, alte und neue Sprachen gelernt, haben sich sportlich, musisch und künstlerisch betätigt, sind für ihren Beruf oder ein späteres Studium ausgebildet worden. Sie haben dort Gemeinschaft erfahren und Freundschaften geschlossen, haben gute und sicher auch einmal schlechte Erfahrungen gemacht.

Nicht wenige heute in der Region wie weltweit lebende und arbeitende Personen sind an diesen Schulen aber auch von den franziskanischen Leitlinien und der im Wirken von Franz von Assisi verankerten Wertschätzung gegenüber dem Leben sowie der Vermittlung der Grundlagen des Christentums geprägt worden: keine schlechte Grundlage in einer immer materialistischer ausgerichteten Welt.

Gesellschaftliche Veränderungen machen aber auch vor dem Thuiner Orden keinen Halt: Mit dieser Lösung ist aber so weit wie möglich gesichert, dass die Schüler dort weiter in diesem Sinne Wissen und vor allem für ihr weiteres Leben ein festes Fundament vermittelt bekommen.

 

Schulstiftung (vb)

Mit der Übernahme der Trägerschaft von den vier Schulen der Thuiner Schwestern ist die 2001 gegründete Schulstiftung im Bistum Osnabrück aktuell für 21 Schulen mit rund 13 500 Schülern und mehr als 1100 Lehrkräften im Emsland, der Grafschaft Bentheim, in Osnabrück, im Landkreis Diepholz und in Bremen zuständig.

Im Emsland sind dies in Lingen die Marienschule und das Franziskusgymnasium, in Meppen das Gymnasium Marianum, die Johannes-Oberschule und die Marienhaus-Berufsschule sowie in Papenburg die Michaelschule und das Mariengymnasium.

Zum Stichtag 31. Dezember 2016 betrug das Stiftungskapital 5,54 Millionen Euro zuzüglich einer Rücklage in Höhe von 781 000 Euro. Das Haushaltsvolumen betrug 2016 gut 70 Millionen Euro, seit 2001 wurden gut zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgeschüttet.