Seminarfach „Nachhaltigkeit“ trifft Vertreter des Emsländischen Landvolks

Haben am Samstag Passanten mit Blumensaat und Informationen versorgt: Lennart Keuters, Sebastian Peschel, Matthias und Regina Everinghoff, Janna Palmer und Leandra Niemeyer (von links). Foto: Christiane Adam

Einsatz gegen Insektensterben – Landwirte werben in Lingen für blühenden Wildwuchs

Lingen. Das Emsland blüht auf! So soll es sein, geht es nach dem Wunsch des Emsländischen Landvolks. Am Samstag haben Landwirte in Lingen, Papenburg, Meppen und Nordhorn Tütchen mit Saatgut und Informationsmaterial wie eine Bauanleitung für ein Insektenhotel auf den Wochenmärkten verteilt.

Auf dem Lingener Wochenmarkt vertrat unter anderem Matthias Everinghoff aus Schapen das Landvolk. „Das Tütchen enthält Blumensamen. Mit der Aktion möchten wir auf eine Reihe von Maßnahmen aufmerksam machen, die wir emsländischen Bauern gegen das Bienensterben durchführen wollen. Und wir möchten die Menschen auffordern, auch etwas zu tun“, bekräftigte der Schapener neben dem großen Traktor, der vor ein Schuhhaus gefahren worden war.

Dieser bildete einen Blickfang und zog interessierte Passanten an den Stand, der nicht nur von Landwirten, sondern auch von Schülern der zwölften Klasse betreut wurde. Everinghoffs Ehefrau Regina ist Lehrerin am Franziskusgymnasium in Lingen. Sie leitet das Seminarfach „Nachhaltigkeit“. Die Pädagogin wünscht sich, dass insgesamt Schulen sich mehr für das Thema Landwirtschaft interessieren. Alle gemeinsam setzten sich am Samstag bei nasskaltem Wetter für mehr Blühstreifen und damit für mehr Nahrung insbesondere für Bienen aber auch andere Insekten ein.

Einsatz gegen das Insektensterben

„Wir Landwirte sehen uns als Teil der Lösung, nicht als das Problem. Die Diskussion um das Insektensterben lässt uns keineswegs kalt“, betonte Everinghoff, der sich beim Landvolk für Öffentlichkeitsarbeit stark macht. Weniger der Einsatz von Glyphosat, stark in der öffentlichen Kritik, sei im Emsland dabei das Problem, sondern vielmehr die veränderte Gesamtsituation der heimischen Landwirtschaft. Er schilderte, wie sich diese in den letzten 100 Jahren verändert habe: Allein in Schapen habe es früher rund 200 Hofstellen gegeben. Mit dem Wegfall des Heuerwesens nach dem Zweiten Weltkrieg und durch das Höfesterben in den letzten Jahrzehnten habe sich diese Zahl immer weiter verringert. Die bewirtschafteten Flächen jedoch seien nicht kleiner geworden.

Hofstellen Oasen für Insekten

„Hofstellen bedeuten Oasen für Insekten“, stellte er klar. Richtig schwer sei es ab den 1960er Jahren für Insekten geworden. Man habe möglichst das Unkraut beseitigt, Hecken entfernt, um größere Flächen beackern zu können und habe großflächig entwässert. Außerdem sei die von der Europäischen Union verordnete Flächenstilllegung von jeweils zehn Prozent weggefallen. „Einzelbetrieblich hat jeder Landwirt damit richtig gehandelt“, unterstrich Everinghoff, aber das große Ganze habe man damals noch nicht so sehr im Blick gehabt wie heute. Eine weniger perfekte Kulturlandschaft bedeute perfektere Bedingungen für Vögel und Insekten. Ziel sei daher eine Rückkehr zum blühenden Wildwuchs an Feldrändern. „Davon möchten wir möglichst viele Berufskollegen überzeugen.“

Interessierte Bürger

Einer von 22 Teilnehmern des Seminarfachs „Nachhaltigkeit“ ist Lennart Keuters aus Lingen-Biene. „Viele Besucher sind natürlich in erster Linie an den Samentütchen interessiert, aber es kommen auch kritische Fragen.“ Über das Thema Pestizide hatte sich der Zwölftklässler vorher informiert. Dieser Aspekt interessierte auch Besucherin Edeltrud Schmied-Jäckering. Die Lingenerin hatte von der Aktion in der Zeitung gelesen und war mit ihrem Mann extra deshalb in die Innenstadt gefahren. „Wenn auf dem Feld genauso ökologisch gearbeitet wird, z.B. mit wenig Düngereinsatz, dann hat diese Aktion Sinn. Sonst hat sie wenig Sinn“, so ihre Meinung.

Lob für Initiative

Ebenfalls extra für diese Aktion angereist war Ludger Wübben aus Andervenne. „Ich finde diese Initiative sehr gut und ich finde es wichtig, dass wir alle etwas tun“, betonte der Andervenner. Wenig hielt er davon, dass immer mehr private Gärten zu reinen Steingärten umgeformt werden. „Was nützt das schönste Insektenhotel, wenn die Insekten verhungern, weil sie keine Nahrung finden?“, fragt er.

Sebastian Peschel ist ein weiterer Teilnehmer des Seminarfachs. Der Schüler lebt in Lünne auf einem Bauernhof und interessiert sich sehr für das Thema Blühstreifen. „Meine Familie hat mehrere Äcker in Nordrhein-Westfalen. Dort werden Ackerrandstreifen subventioniert und können dann sich selbst überlassen werden. Das würde ich mir für Niedersachsen auch wünschen“, stellte der Schüler heraus.

Matthias Everinghoff kündigte indes an, dass das Landvolk bereits mit einem Saatguthändler im Gespräch sei, um entsprechende Samen für Landwirte zur Verfügung zu stellen. „Wir wünschen uns, im Sommer viele Blühstreifen zu sehen!“