Musikunterricht einmal anders….

Musikoberstufenkursschüler besuchen zwei Konzerte

Thema der Musikoberstufenkurse ist zurzeit „Die Sinfonie als musikalische Gattung“. Was liegt da näher, als ein Sinfoniekonzert einmal live zu erleben!
So besuchten die Leistungskurse Musik am Samstag, dem 3.10.2015, dem Tag der deutschen Einheit, die Aufführung der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven im Lingener Theater. Ein nicht alltäglicher Samstagabend und ein eindrucksvolles Erlebnis!

 

Euphorie bei Beethovens Neunter

Frenetischer Beifall für großes Konzert zum Jubiläum der deutschen Einheit im Lingener Theater

(Sebastian von Melle, Lingener Tagespost vom 05.10.2015, Seite 22)

Lingen. 25 Jahre deutsche Einheit – das ist der festliche Anlass für ein großes Konzert im fast ausverkauften Lingener Theater gewesen. Alle wollten Beethovens Neunte hören mit dem gewaltigen Schlusschor, Schillers Ode an die Freude.

Beethovens Neunte
So schön klingt die deutsche Einheit: der städtische Musikverein Meppen, Euphonia Zwolle, Kammerphilharmonie Emsland und das ausdrucksstarke Quartett auf der Bühne des Theaters. Foto: von Melle

 

Doch zunächst gab es Schwarzbrot mit Texten des 1945 mit einer Klaviersaite gehenkten Theologen Dietrich Bonhoeffer. Unvermittelt rezitierten drei Schüler des Gymnasiums Georgianum Lebensdaten und Gedanken des Widerständlers, bis Auszüge des Bonhoeffer-Liedoratoriums von Matthias Nagel eine Chance bekamen, das Publikum zu erreichen.

Balthasar Baumgartner als brillanter Begleiter am Flügel und Wolfried Kaper am Pult hatten ihre Chöre, den Städtischen Musikverein Meppen und Euphonia Zwolle, zu einem großen Klangkörper geformt, 100 bestens intonierte Stimmen, gut zu verstehen und doch gedämpft von der trockenen Akustik.

Vom auswendig gesungenen Kanon „Die Erde bleibt unsere Mutter“ über das bekannte Silvestergedicht „Von guten Mächten“ bis zum schweren Trauermarsch „Gefasst und ruhig“ erklang das Drama zwischen Widerstand und Ergebung.

Sprecher Reinhard Büring vermittelte zwischendurch die ganze Härte von Bonhoeffers Weg. Tröstlich der Schluss: „Uns bleibt der Weg, jeden Tag so zu leben, als sei er der letzte, und doch zu vertrauen, es gibt eine Zukunft, wir werden sie schauen.“ Während einige Zuhörer sich zur Pause von diesem Auftakt erholen mussten, waren andere zutiefst angerührt und begeistert. Sie sahen die Wiedervereinigung zum ersten Mal auf dem Hintergrund des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte.

Bis das Orchester jubelt

Dann aber der große Umbau. Noch einmal 50 Musiker der Kammerphilharmonie Emsland nahmen Platz zum Opus 125 von Ludwig van Beethoven, der Sinfonie Nr. 9 in d-Moll. Drei andere Schüler erläuterten deren Entstehung und Bedeutung und definierten die errungene Freiheit als Grundlage für „Freude, schöner Götterfunken“.

Olaf Nießing zeigte vom ersten Schlag an, welch langen Atem es braucht, dieses Werk bei frischem Tempo konzentriert durchzuhalten. Vom erhabenen Auftakt des ersten Satzes zur aufblitzenden Freude im Wechsel zwischen Bläsern und Streichern in Satz zwei war das kaum auszuhaltende Euphorie. Sehr interessante und emotionale Stimmungs- und Harmoniewechsel bot das Adagio molto e cantabile, bevor der Dirigent im Finale alles klarmachte. Nach dem Dialog der tiefen Streicher mit den Holzbläsern tastete sich das Fugenthema der berühmten Ode an die Oberfläche, bis das Orchester jubelte und die Sänger einstimmten. Meike Leluschko (Sopran), Isabel Baumgartner (Alt), Aart Mateboer (Tenor) und Bert van de Wetering (Bariton) bildeten ein ausdrucksstarkes Quartett, satt in den Tiefen und strahlend in der Höhe. Der große Chor gab noch einmal alles und schonte sich nicht, „diesen Kuss der ganzen Welt“ anzubieten. Dafür gab es selbstverständlich frenetischen Beifall.

 

Ein weiteres Konzert, das eine Bereicherung für unsere Schüler und auch Vielzahl an Lehrern darstellte, war das Jazzkonzert mit Till Brönner, was am 9.9.2015 in der Halle IV stattfand. Auch hier totale Begeisterung bei den (überwiegend) Big-Band-Schülern!

 

Brillantes Jazz-Erlebnis

Standing Ovations für Till Brönner in der ausverkauften Halle IV

(Meike Blunk, Lingener Tagespost vom 12.09.2015, Seite 19)

Till Brönner
Der virtuose Jazz-Trompeter und brillante Improvisator Till Brönner begeisterte mit seinen hochkarätigen Quintett- Kollegen innerhalb der 29. Niedersächsischen Musiktage das Publikum in der ausverkauften Halle IV in Lingen. Foto: Meike Blunk

 

Lingen. Mit dem virtuosen Trompetenspieler und grandiosen Jazz-Improvisator Till Brönner und seinen bravourösen Quintettkollegen hat die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Stadt Lingen ein ganz besonderes musikalisches Highlight innerhalb der 29. Niedersächsischen Musiktage in Lingen ausgerichtet.

Die Halle IV, die an diesem Abend ausverkauft war, erwies sich für dieses musikalische Ereignis als inspirierender Ort. Die nicht ganz idealen akustischen Voraussetzungen hatte man im Vorfeld beachtet und ihnen gekonnt entgegengewirkt, indem mehrere Sonnensegel gespannt worden sind, die neben den Klang einbindenden und Resonanz schaffenden Effekten auch visuelle Reize darstellten. Sie passten ins Ambiente und boten Fantasie anregende Aspekte, die an Weite, Wind und Freiheit erinnerten. Aber das, was die fünf hochkarätigen Musiker mit ihren Instrumenten auf der Bühne herzustellen vermochten, war mehr als ein genussreiches Hör-Abenteuer. Es war ein brillantes, mit Worten kaum zu beschreibendes Jazz-Erlebnis.

Gleich zu Beginn begeisterten die versierten Musiker mit der Eigenkomposition Brönners, „Will of nature“. Nach einem beschwingten Anfang, in dem Brönner mit dem Tenor-Saxofonisten Magnus Lindgren in verspielter Leichtigkeit korrespondierte, übernahmen die Tasten des holländischen Pianisten Jasper Soffers die Dominanz, um dann in einen gemeinsamen Austausch mit dem Bassisten Christian von Kaphengst und dem Schlagzeuger David Haynes zu gelangen.

Exzellente Wechsel

Es fanden exzellente Stimmungs- und Tempiwechsel statt. Zwischendrin wechselte Lindgren zur Querflöte und ging über in eine erneute, an Temperament zunehmende Kommunikation mit Brönner. Es war ein Frage-und-Antwort-Dialog, der in verbindende Harmonien überging. Ein Miteinander, in dem sich jedes Instrument auf beeindruckende Weise treu blieb.

Das zweieinhalbstündige Programm bestand überwiegend aus Liedern, die Brönner selbst komponiert oder arrangiert hat. Darüber hinaus ließ das exzellent auf einander eingespielte Quintett „Lazy Afternoon“ von John La Touche oder „Gibraltar“ von Freddie Hubbard auf vollkommenste Weise mit brillanten Solis lebendig werden und brachte sogar Motive von Johann Sebastian Bach zum Schwingen.

Die Musiker spielten mit einer grandiosen Leichtigkeit miteinander. Ein tolles Lichtdesign unterstützte einzelne musikalische Parts und brachte besondere Akzente zum Leuchten. Brönner führte gelassen und auf eine unverbindlich intime Art durchs Programm. Das begeisterte Publikum dankte mit Standing Ovations.