Musikoberstufenkursschüler bei Sophie Hunger

Schon ihr erstes Lied ging unter die Haut
Sophie Hunger gab ein beeindruckendes Konzert in Halle IV

Teilhaben an diesem außergewöhnlichen Event durften auch die knapp 100 SchülerInnen der 6 Oberstufenkurse Musik mit ihren Musiklehrern Jost-Westendorf, Pohlmann und Wellenbrock-Roters. Auf Einladung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung fand der Musikunterricht mal auf etwas ungewöhnliche Art und Weise statt.

Eine Information rund um Sophie Hunger und die Musiktage – durchgeführt in Form eines Interviews zwischen der Musikvermittlerin Cornelia Hemmann und der Intendantin Katrin Zagrosek – vor Beginn der Veranstaltung rundete den Konzertabend ab.

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Lingen . Sie ist anders. Sie ist gut. Sie ist erstaunlich gut. Sie ist besonders. Für viele im Publikum ein eher unbeschriebenes Blatt, überraschte Sophie Hunger und Band im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage mit einem außergewöhnlichen Konzert in der Halle IV in Lingen.

Sophie Hunger 01Außergewöhnliche Mitspieler saßen mit Sophie Hunger auf der Bühne der Halle IV in Lingen. Es wurde Jazz, etwas Orientalisches, Country, Rock ’n’ Roll, Blues und Schweizer Folklore geboten. Das alles bildete eine Symbiose, welche die Zuhörer nicht mehr losließ. Foto: Peter Löning

 

Reiner Gesang, ohne jede Begleitung, solo und auf Schwyzerdütsch – wer konnte das verstehen? Ihr erstes Lied ging allein schon durch seine Darbietung ganz tief unter die Haut. Das versprach ein interessanter Abend zu werden. Las man noch in der allgemeinen Presse ein Zitat, das da sagte, Sophie Hunger verstehe nicht viel von Musik, so wurde man hier eines Besseren belehrt.

Ein musikalisch äußerst abwechslungsreicher und spannender Abend erwartete die Hörer in der gut besuchten Halle IV, die sich im Übrigen als überaus zuträgliche Spielstätte präsentierte. Textreiche und wohl auch textdominierte Lieder in allerlei Sprachen brachte Sophie Hunger auf die Bühne, und es ärgerte sich zu Recht, wer nicht all dieser Sprachen mächtig war, bis dann ein Lied auf Deutsch erklang, das aber ebenso wenig oder nur in Bruchstücken textlich zu verfolgen war. Da war es die Musik, die beinahe magisch wirkte.

Die Stimme der Sophie Hunger, die sich durch ein etwas heiseres, rauchiges Timbre auszeichnet, die weich und angenehm, aber sicherlich nicht kraftlos daherkommt, gern rhythmisch verwendet und eine faszinierende Ergänzung findet in dem Klang der ausgereiften und interessant instrumentierten Band.

Vier außergewöhnliche Mitspieler saßen mit ihr auf der Bühne. Alle mit unterschiedlichen Instrumenten beschäftigt, aber vor allem mit klassischen Charaktergebern wie dem Cello, der Klarinette, dem Flügelhorn und auch dem Klavier.

Daneben das Keyboard, Schlagzeug und Bass – die Gitarren nicht zu vergessen – boten einen reichen Fundus, der eine vielgesichtige Musik produzieren ließ, die sich stilistisch nicht einfach einsortieren lässt oder lassen will.

Man hört hier Singersongwriter-Klänge, einen Hut voll Jazz, beizeiten etwas Orientalisches, dort Country und echten Rock’n’Roll, Blues und auch Schweizer Folklore. Das alles bildet eine gekonnte Symbiose, die einen nicht mehr loslassen will. Am Rande ein an die Traditionen anknüpfendes Gesangsquartett wiederum in Schwyzerdütsch. Atemberaubend.

Wagte Bürgermeister Dieter Krone in seiner Begrüßungsansprache noch den Wortwitz, Hunger habe er mitgebracht, jetzt hoffe er, dass dieser gestillt werde, bleibt wohl festzuhalten, dass vielmehr diese Musik erst richtig Hunger auf mehr macht.

Als dann noch die gesamte Band zur letzten ihrer zahlreichen Zugaben von der Bühne zum Publikum hinabstieg und vollkommen unverstärkt, analog mit einem hinreißenden Lied die ganze so verkabelte „Unplugged“-Szene in ihre Schranken wies, war die Begeisterung groß.

Sophie Hunger sprach wenig in diesem Konzert, doch was sie sagte, war gewaschen hintersinnig und von alpenländischem Humor. Als Beleg dafür diente die Anmoderation ihres „Walzer für niemand“: „Es klingt ein wenig wie Walzer, und es ist für niemand.“ – Mehr davon.

Dies war ein tolles Konzert in der Halle IV, und vermutlich wird Dieter Krone leider recht behalten, wenn er prognostiziert, dass wir so etwas in einem solch intimen Rahmen nicht wieder erleben werden – zumindest nicht mit dieser besonderen Künstlerin auf dem Sprung zur Weltkarriere.