FRIEDEN LERNEN IN DER SCHULE

Als ich von einer Mitarbeiterin der Ökumenischen FriedensDekade gefragt wurde, ob ich ein Beispiel für eine gelungene Integration von Flüchtlingen kenne, habe ich direkt an Hannah und Ledjola gedacht.

Glücklicherweise haben sich die beiden Mädchen der damaligen 6b (Klassenlehrerinnen: Frau Rahn und Frau Kühlenborg) direkt bereit erklärt, einen Text über ihre gemeinsame Erfahrungen eigenständig zu schreiben.

Ledjola war ein freundliches, aufgeschlossenes, neugieriges und fröhliches Mädchen, so dass es der Klasse leicht fiel, sie aufzunehmen. Sie lernte schnell Deutsch und war in den Pausen immer mit einer Gruppe aus ihrer Klasse auf dem Schulhof unterwegs. Wenn es aber doch mal Probleme oder Fragen gab, war Hannah, ihre Patin, immer zur Stelle.

Nun musste Ledjola im April 2016 in ihre Heimat zurück kehren, doch die Nachricht über das Erscheinen des Artikels in der Zeitung der Ökumenischen FriedensDekade hat sie direkt via WhatsApp und Instagram bekommen. Sie ist immer noch mit ihrer Klasse mit Hilfe der sozialen Netzwerke verbunden und nimmt Anteil an den Neuigkeiten vom Franziskusgymnasium. Ein Sprichwort sagt, man sieht sich immer zweimal im Leben. Wir dürfen also gespannt bleiben, wie die Geschichte weiter geht!

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FRIEDEN LERNEN IN DER SCHULE

(Quelle: Friedenszeitung. Aktuelle Themen zur Ökumenischen FriedensDekade. Sonderausgabe 2016 zur Ökumenischen FriedensDekade vom 6. bis 16. Vovember 2016, Seite 6)

Hannah:

„Ledjola ist elf Jahre alt und kommt aus Albanien. Seit Anfang des Jahres geht sie in unsere Klasse, die 6b des Franziskusgymnasiums. Über Albanien weiß ich eigentlich nicht viel, und ich traue mich auch nicht Ledjola zu fragen, warum sie mit ihrer Familie geflohen ist.

Am Anfang war es sowieso sehr schwer, sich mit Ledjola zu verständigen, denn sie hat nur wenig Deutsch und Englisch gesprochen. Gerade in den Pausen, wenn wir alle ganz schnell durcheinander quatschen, verstand sie nicht wirklich viel. Aber mich hat total erstaunt, dass sie in Französisch die Zahlen schon viel besser konnte als wir. Jetzt ist Ledjola schon fast zwei Monate in unserer Klasse und spricht schon viel besser Deutsch.

Ledjola hat einen Bruder, der Armando heißt und auch auf unsere Schule geht. Am Anfang gab es z.B. Probleme, weil Ledjola und ihr Bruder nicht genau wussten, wie sie mit dem Bus nach Hause kommen sollen. Doch zum Glück hat eine Schülerin, die aus dem gleichen Ort wie die beiden kommt, ihnen gezeigt, welche Busse sie nehmen müssen. Ich glaube für Ledjola war es auch blöd, dass sie keinen Fachunterricht mitmachen konnte und immer nur Deutsch lernen sollte.

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich mit meiner Familie in ein fremdes Land fliehen müsste, wo ich niemanden kenne und die Sprache nicht verstehe. Wir sind auf jeden Fall sehr froh, dass Ledjola jetzt bei uns ist“

Ledjola:

„Am Anfang war es sehr schwer für mich, da ich nicht viel verstanden habe. Doch schon nach ein paar Tagen konnte ich ein bisschen Deutsch. Ich hatte auch Angst, dass ich keine Freunde finde.

An einem Tag haben sich alle verkleidet. Sie haben es ‚Karneval‘ genannt. Das war sehr komisch für mich, hat aber großen Spaß gemacht.

Zwischendurch war ich zwar traurig, dass ich nicht mehr in Albanien bin, aber ich finde es in Deutschland viel schöner. Ich bin froh, dass ich jetzt hier bin.“

Hannah:

„Als unsere Lehrerin gefragt hat, ob wir uns um Ledjola kümmern, war es für mich selbstverständlich. Ich wollte gerne helfen, und ich habe gesehen, dass man, egal wie alt man ist, helfen kann Zum Beispiel wurden bei uns im Ort Babykleidung und Koffer/Taschen gesammelt, die dringend für Flüchtlingsfamilien benötigt wurden.

Das wichtigste ist, das wir die Augen offen halten und gucken, wie wir in unserer Schule, in unserer Gemeinde, in unserem Sportverein usw. helfen können.

Wir müssen den Menschen/Kindern, die alles verloren haben — ihr Zuhause, ihre Freunde/Familie, ihr ganzes bisheriges Leben — zeigen, dass sie bei uns willkommen sind und sich auf uns verlassen können.“

 

Anmerkung der Redaktion:

Die Lehrerin der beiden Mädchen, Kristina Hagedorn, die mit ihnen diesen Text für die Friedenszeitung erarbeitet hat, hat uns mitgeteilt, dass die albanische Schülerin aus Lingen Ende April abgeschoben wurde. Ledjola sei es sehr wichtig, mit diesem Text eine Spur in Deutschland zu hinterlassen.

 

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