Dienst an den Armen und Kranken

Marco Lögering zum Diakon geweiht

Emsländer im Osnabrücker Dom zum Diakon geweiht – Werden bald Frauen zugelassen?

Alle zwei Jahre werden im Osnabrücker Dom „bewährte Männer“ zu Diakonen geweiht. In diesem Jahr waren es vier Kandidaten: Zwei aus dem Emsland und zwei aus dem Osnabrücker Land, zwei verheiratet, zwei nicht. Sie werden sich in Zukunft vor allem für Arme, Einsame, Alte und Kranke einsetzen und Gottesdienste feiern. Und das alles neben ihrem normalen Beruf.

Geweiht werden Hermann-Josef Bowe (52) aus Lorup (Pfarreiengemeinschaft Ost-Hümmling), Bernd Kulgemeyer (43) aus Harderberg (Pfarreiengemeinschaft Georgsmarienhütte-Ost), Marco Lögering (42) aus Emsbüren (Pfarreiengemeinschaft Kirchspiel Emsbüren) und Herbert Macke (46) aus Quakenbrück (Pfarreiengemeinschaft im Artland). Foto: Swaantje Hehmann

 

Osnabrück. Damit rechnet man bei einer katholischen Weihe nicht: dass als Erstes die Ehefrauen und Kinder der Kandidaten begrüßt werden. Aber so ist das bei der Weihe von „bewährten Männern“, die sich jenseits der 40 als Diakone in den Dienst der Kirche stellen: Wenn sie Frauen und Kinder haben, gehören diese dazu. Wenn sie unverheiratet sind – wie zwei der vier Männer, die am Samstag von Weihbischof Johannes Wübbe geweiht wurden – verpflichten sie sich ab jetzt zur Ehelosigkeit, zum Zölibat.

Viele Gäste

Es ist viel los im Dom an diesem sonnigen Samstag. Denn die neuen Diakone haben jede Menge Gäste mitgebracht: Familie, Freunde, aber auch viele junge und ältere Menschen aus ihren Heimatgemeinden in Lorup und Emsbüren, in Bad Essen und Quakenbrück. Und diese Gäste gestalten auch den Gottesdienst mit: Die Ehefrauen verkünden die biblischen Lesungen, acht jugendliche Messdienerinnen stammen aus den Heimatgemeinden der Kandidaten, der Familienchor aus Quakenbrück und der Chor Cantamus aus Lorup sorgen für flotte Musik – sogar englische Lieder waren dabei. Lebensnah und alltagstauglich, so präsentiert sich die Weiheliturgie. Und so beschreibt Weihbischof Johannes Wübbe in seiner Predigt auch die Aufgabe der Diakone: „Sie stehen für die Verbindung zwischen Glaube und Alltag.“ Eine besondere Verbindung auch deshalb, weil die Männer in ihren normalen Berufen bleiben und sich nebenamtlich als Diakone engagieren. Beruf, Familie, Kirche – dieser Dreiklang wird ihr Leben bestimmen.

Weiheliturgie

Dass der Kirchendienst aber mehr und anders ist als die frühere ehrenamtliche Mitarbeit, wird während der langen Weiheliturgie deutlich: „Hier bin ich!“, melden Marco Lögering (42) aus Emsbüren, Hermann-Josef Bowe (52) aus Lorup, Herbert Macke (46) aus Quakenbrück und Bernd Kulgemeyer (43) aus Bad Essen gleich zu Beginn ihre Bereitschaft zum Dienst an – mal eher ernst im Ton, mal voller Elan. „Denkt ihr, dass sie würdig sind?“, fragt der Weihbischof. „Das Volk wurde befragt und hat zugestimmt.“ Auch die Ehefrauen müssen ausdrücklich der Weihe ihrer Männer zustimmen – gegen ihren Willen geht gar nichts.

Und dann liegen alle vier ausgestreckt vor dem Altar. In einer langen Litanei bittet die Gemeinde um Gottes Gnade für die Männer, bevor Weihbischof Wübbe ihnen die Hände auflegt und das Weihegebet spricht. „Here I am, Lord“, singen die Chöre, während die frisch geweihten Diakone das liturgische Gewand und die Stola anziehen, die sie von nun an tragen werden, wenn sie taufen, trauen oder beerdigen – denn das gehört jetzt zu ihren Aufgaben. Danach überreicht der Bischof ihnen symbolisch das Evangelienbuch – denn auch predigen und das Wort Gottes auslegen dürfen sie nun. Mit einer Umarmung werden sie vom Bischof, aber auch von vielen der 58 Diakone im Bistum Osnabrück willkommen geheißen.

Zuwendung

Seit Sonntag ging der diakonale Dienst dann richtig los: für Marco Lögering im Kirchspiel Emsbüren, für Hermann-Josef Bowe in der Pfarreiengemeinschaft Hümmling-Ost, für Herbert Macke in und um Quakenbrück und für Bernd Kulgemeyer in der Pfarreiengemeinschaft Georgsmarienhütte-Ost. Schwerpunkt ist, wie er Name schon sagt, die Diakonie, die Zuwendung zu denen, die am Rand stehen: die Armen, Alten, Einsamen, Kranken. Vor genau 50 Jahren wurden dafür in der katholischen Kirche erstmals wieder Männer zu Diakonen geweiht, zu sogenannten „ständigen Diakonen“, denn anders als früher, als der Diakonat eine Durchgangstufe zum Priesteramt war, bleiben diese Männer Diakone.

Ob in Zukunft Frauen nicht nur als Ehefrau und Lektorin, sondern auch als Kandidatin für die Diakonenweihe zugelassen werden, wird zurzeit in Rom geprüft; bis zu einer Entscheidung dürfte es allerdings noch dauern.

Weitere Fotos: W. Nieland