Chemie ist seine Leidenschaft

Lingener will nach Moskau

Lingen. Can Kocer ist ein wahres „Ass“ in Chemie. Gut möglich, dass es der Schüler des Lingener Franziskusgymnasiums bis zur Internationalen Chemieolympiade nach Moskau schafft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beeindruckt sind Chemie-Leistungskurslehrerin Ursula Wempe und Schulleiter Johannes Pruisken von Can Kocer. Foto: van Bevern

 

Rund 1300 Schüler im Alter von bis zu 20 Jahren beteiligen sich jährlich am deutschen Auswahlverfahren zur Chemieolympiade, die vom 15. bis 24. Juli stattfinden wird. Bis zur letzten und für die Teilnahme entscheidenden vierten Runde haben sich deutschlandweit 16 Schüler qualifiziert. Darunter ist auch Can Kocer.

„Das große Chemielabor“ oder „Kristalle züchten“: Mit derartigen Kosmos-Experimentierkästen schaffen es viele Eltern, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an der Chemie zu wecken. Anders bei dem 19-jährigen Can. „Ich bin nicht so der experimentelle, eher der theoretische Typ. Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert“, erklärt der angehende Abiturient.

Schon früher hatte der Schüler im Gymnasium Plakate des Wettbewerbs gesehen, im vergangenen Jahr ist er im Internet auf weitere Informationen gestoßen.

„Mit den fertig ausgearbeiteten Lösungen ist er dann zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich diese bitte korrigieren könne. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich von seiner Teilnahme gar nichts gewusst“, erklärt seine Chemie-Leistungskurslehrerin Ursula Wempe. In der ersten Runde ist die jeweilige Fachlehrerin für die Korrektur zuständig – ab der zweiten Runde korrigieren und bewerten Fachleute unter anderem vom veranstaltenden Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel die theoretischen Aufgaben. Spätestens die Aufgaben der zweiten Runde – quer durch alle Bereiche der Chemie – gehen auch bereits weit über das Schulniveau hinaus und beinhalten Themengebiete, die sich der Schüler in maximal sechswöchiger Recherche selber erarbeiten muss.

Doch auch diese Hürde übersprang Can. Der Einzug in die dritte Runde war für ihn bereits mit dem Landessiegertitel, einer Geldprämie über 100 Euro und einem Buchgeschenk verbunden.

Anerkennung

Diese übergab Schulleiter Johannes Pruisken mit einer anerkennenden Urkunde der Schule. Bei der Übergabe erfuhr der Schulleiter ganz aktuell, dass Can auch diese Runde erfolgreich bewältigt hat. Mit den 60 besten Teilnehmern hatte er sich dazu eine Woche in Göttingen getroffen, zahlreiche Vorträge über die unterschiedlichsten Teilgebiete der Chemie gehört – und zwei fünfstündige Klausuren geschrieben. Vom 21. bis 28. Mai wird Can nun nach Kiel fahren, um sich dort praxisnah weiterbilden und prüfen zu lassen. Zusätzlich entscheiden die Ergebnisse von zwei weiteren Klausuren darüber, welche vier Nachwuchswissenschaftler das deutsche Olympiateam bilden werden. Zum ersten Mal könnte auch ein Schüler aus Lingen dabei sein. Pruisken drückt gemeinsam mit Lehrerkollegen und Mitschülern kräftig die Daumen, dass dem Ausnahmeschüler dieser Sprung in die Olympiamannschaft gelingt.

Zunächst wird Can sich aber für die Abiturprüfungen vorbereiten, die direkt nach den Osterferien anliegen. Seine Vornoten liegen im 14- und 15-Punktebereich. Bei durchschnittlich zwölf Punkten hätte Can seinen Studienplatz endgültig „in der Tasche“. Die vorläufige Zusage für ein „Natural Sciences“-Studium an der britischen University of Cambridge hat er bereits.

Nähere Informationen unter www.icho.de.