Beeindruckende Zeitzeugenberichte

Ehemalige KZ-Häftlinge aus Polen zu Besuch im Franziskusgymnasium

Auf Vermittlung des Maximilian-Kolbe-Werkes und mit Unterstützung des Ludwig-Windhorst-Hauses besuchten am 22. Mai drei ehemalige KZ-Häftlinge aus Polen das Franziskusgymnasium. Sie überlebten auch die grausamen Taten der Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Besuch aus Polen 01

Die drei Frauen, die heute um die 85 Jahre alt sind und somit den Terror der Nazis im Kindesalter erlebten, trafen sich mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 zu einem Gedankenaustausch und berichteten dabei über ihre schrecklichen Erlebnisse während der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in Polen. Um einen intensiven Austausch der Schülerinnen und Schüler mit den drei Gästen zu gewährleisten, teilten sie sich auf die Klassen auf. Jeweils eine Zeitzeugin ging in den Klassenraum der 10a bzw. der 10c, während die dritte, etwas jüngere Zeitzeugin sich mit den Klassen 10b und 10d im Forum versammelte.

Im Mittelpunkt der Berichte der drei Zeitzeuginnen standen die Erlebnisse seit dem Sommer 1944, beginnend mit dem Warschauer Aufstand, z.T. auch im Rahmen einer Power-Point-Präsentation vorgestellt. Im August 1944 stand die Rote Armee auf ihrem Vormarsch nach Westen kurz vor Warschau. Die dort zusammengepferchten Polen, oft national und antikommunistisch gesinnt, wollten durch einen eigenen Aufstand das Joch der Deutschen abschütteln, um so vielleicht noch ihre Unabhängigkeit von der SU bewahren zu können. Die Rote Armee griff aber nicht zur Unterstützung ein, sondern wartete die Niederschlagung des Aufstandes durch die SS und die Wehrmacht ab, um so besser ihr Regime und ihre Doktrin im Nachkriegspolen durchsetzen zu können. Die völlige Zerstörung Warschaus durch die Deutschen war die Folge, illustriert durch Bildmaterial, um so den Zuhörern einen noch besseren Eindruck zu geben.

Nach dem gescheiterten Aufstand wurden die Familien der drei Zeitzeugen – wie viele anderer Polen auch – in das KZ Auschwitz verschleppt. Dort wurden die Familien auseinandergerissen und den verschiedenen Abteilungen des Lagers zugewiesen.  Aufgrund der unmenschlichen Lebens-bedingungen im Lager überlebten nicht alle Familienangehörigen. Die Schilderung der Erlebnisse im KZ erzeugte Gänsehautatmosphäre, die noch vertieft wurde, als die Gäste im Zuge der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27.1.45 – heute Gedenktag in der Bundesrepublik Deutschland – von den Hunger- und Todesmärschen aus dem KZ erzählten, weil die SS die Häftlinge vor der vorrückenden Roten Armee Richtung Westen trieb. Die drei Zeitzeugen sahen ihre Eltern und Angehörigen erst Monate nach Ende des Zeiten Weltkriegs wieder, oft erst nach intensiven Nachforschungen.

Bewundernswert ist die Bereitschaft und die Fähigkeit der Zeitzeugen, von ihren schrecklichen Erlebnissen zu erzählen und auf diese Weise das Geschehen den Schülerinnen und Schülern unmittelbar nahezubringen und so deren Geschichtsbewusstsein weiter auszubilden, damit diese sich gegen jede Art von Gewalt und Terror wenden und so zur Erhaltung und Ausgestaltung unserer pluralistischen und demokratischen Rechts- und Gesellschaftsordnung beitragen.

Dies ist gerade in heutiger Zeit – Stichwort Rechtspopulismus – von elementarer Bedeutung, was die drei Frauen nicht nur den Schülern gegenüber, sondern auch im anschließenden Gespräch deutlich machten. Ihr Anliegen sei nicht nur, die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis aufrechtzuerhalten, sondern auch in persönlichen Gesprächen Brücken zwischen den Gesellschaften zu bauen, um die Verbindungen zwischen den Ländern in Europa, hier vor allem zwischen Deutschland und Polen, zu stärken, denn nur eine starke, geschlossene Europäische Union könne dem Rechtspopulismus entgegenwirken. „Auch die heutige Regierung in Polen werden wir überstehen und überleben, denn wir sind eine Generation, die nicht unterzukriegen ist“, so ein Zitat. Dieses Zitat macht ihre kritische Haltung gegenüber der jetzigen nationalkonservativen Regierung in Polen deutlich, vor allem wegen der strikten ablehnenden Haltung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen. „Wir waren schließlich auch Flüchtlinge“, so das Schlusswort.

 

Fotos: Karl-Heinz Ossing

Besuch aus Polen 02 Besuch aus Polen 03
Besuch aus Polen 04