Die Traumnote 1,1 auf dem Abiturzeugnis
Verabschiedung beim Franziskusgymnasium - Mareike Knue und Mark Steffens besonders geehrt
(Artikel in der Lingener Tagespost vom 27.06.2005 - Anne Overersch)

Kleinigkeiten verraten, dass hier gerade das Ende eines Lebensabschnittes gefeiert wird: Die Damen ziehen rasch noch mal ihr Kleid oder Top zurecht. Die jungen Herren sind in Anzügen erschienen, zum Teil lässig kombiniert mit einem T-Shirt. Väter eilen mit dem Fotoapparat umher. Lachen unterbricht die Festtagsreden. Schuhspitzen wippen beschwingt im Takt der Jazzmusik mit. So feiert der Abiturjahrgang 2005 seinen Abschied vom Franziskusgymnasium.

Angesichts der vielen gut gelaunten Abiturienten gab sich Schulleiter Johannes Pruisken doch etwas irritiert. „Wer so gut ist in der Schule, muss im sonstigen, normalen Leben verkümmert sein", begann er seine Ansprache mit gespielter Verwunderung. Schließlich stapelten sich direkt hinter seinem Rednerpult im Kulturforum St. Michael 103 Abiturzeugnisse. Und die dokumentierten schwarz auf weiß die enorme Leistungsstärke des Jahrgangs.
Obwohl das Franziskusgymnasium noch nie so viele Schüler zum Abitur geführt hat, fiel niemand durch. Mit einer Durchschnittsnote von 2,5 erreichten die Abiturienten ein noch besseres Ergebnis als der Vorgängerjahrgang. Mareike Knue und Mark Steffens (im Bild mit Schulleiter Johannes Pruisken und seiner Stellvertreterin Schwester Antonia Duisen) erhielten für ihre Spitzenleistungen die Traumnote 1,1. Sibylle Stoßberg erreichte einen Durchschnitt von 1,2.

Warum also könne er nicht vor sich „reihenweise blasse, hohlwangige, vergeistigte Wesen" sehen, fragte sich Schulleiter Pruisken. Und lieferte die Antwort gleich mit: Dieser Jahrgang habe einfach erkannt, dass eine intellektuelle Tätigkeit nicht die persönliche Entfaltung des Menschen hemme, sondern fördere. Mit Forschungsarbeiten und Sommerakademien hätten die Schüler ihren Wissensdurst auch außerhalb des Unterrichts gelöscht.
„Zur Formung einer Persönlichkeit, die den menschlichen Herausforderungen der persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Zukunft gewachsen ist, gehört aber mehr", stellte Pruisken klar. Leistung genüge dem Anspruch einer franziskanischen Schule nicht. Sie setze - insbesondere durch Förderung musisch-künstlerischer Fähigkeiten - auf eine umfassende Bildung des Menschen.
„Im Sinne dieses Ziels unserer Schule haben wir es nun wirklich bei diesem Jahrgang mit einem großen Reichtum zu tun", betonte der Pädagoge. Er verwies auf die sportlichen Spitzenerfolge, auf die zahlreichen Mitglieder in Schulorchester, Big Band und anderen Gruppen, auf Theater- und Schach-AG, die Interessenvertretung und Streitschlichter.
Eine „Hörprobe" aus dieser Talentansammlung gaben Vera Lampenschulten, Jonathan Nadjiri, Tim Tautorat und ein Abiturientenchor ab. Sie lieferten zusammen mit der Big Band des Gymnasiums die musikalischen Beiträge der Abiturfeier.
Einen Rucksack für die Klettertour durchs Leben packte Elternvertreterin Petra Heck. Wie ein Bergsteiger müssten die Abiturienten nicht nur eine „Ausrüstung" besitzen, sondern auch lernen, Wissen und Talente anzuwenden. Einen ersten Nachweis dieser Fähigkeiten hätten die jungen Menschen mit dem Abitur erbracht. Eine Kletterpartie führe aber nur zum Erfolg, wenn sie ein konkretes Ziel habe. Das Franziskusgymnasium habe über „die Bildung des Herzens" den Schülern in besonderer Weise gelehrt, Visionen zu entwickeln und sich zu begeistern.
Für die Abiturienten bewiesen Friederike Köhler und Markus Niemann, dass sie den „Dreisatz" exzellent beherrschen: Die Vergangenheit der 13 Jahre Schuljahre habe Spuren in den „jungen, unbeschwerten und aufgeweckten Gesichtern von damals" hinterlassen. In der Gegenwart gelte es den Lehrern und Eltern Dank zu sagen für Unterstützung, Engagement und Prüfungsvorbereitung. Für die Zukunft seien sie also bestens gewappnet.
Warum sie mutig dem nächsten Lebensabschnitt entgegenstürmten, erklärte Markus Niemann unter dem Jubel seiner Jahrgangskameraden so: „Wir sind schließlich ein Haufen schlauer Füchse!"