Kleinigkeiten verraten, dass hier gerade das Ende eines
Lebensabschnittes gefeiert wird: Die Damen ziehen rasch noch mal ihr Kleid oder
Top zurecht. Die jungen Herren sind in Anzügen erschienen, zum Teil lässig
kombiniert mit einem T-Shirt. Väter eilen mit dem Fotoapparat umher. Lachen
unterbricht die Festtagsreden. Schuhspitzen wippen beschwingt im Takt der Jazzmusik
mit. So feiert der Abiturjahrgang 2005 seinen Abschied vom Franziskusgymnasium.
Angesichts der vielen gut gelaunten Abiturienten gab sich Schulleiter Johannes
Pruisken doch etwas irritiert. „Wer so gut ist in der Schule, muss im
sonstigen, normalen Leben verkümmert sein", begann er seine Ansprache
mit gespielter Verwunderung. Schließlich stapelten sich direkt hinter
seinem Rednerpult im Kulturforum St. Michael 103 Abiturzeugnisse. Und die dokumentierten
schwarz auf weiß die enorme Leistungsstärke des Jahrgangs.
Obwohl das Franziskusgymnasium noch nie so viele Schüler zum Abitur geführt
hat, fiel niemand durch. Mit einer Durchschnittsnote von 2,5 erreichten die
Abiturienten ein noch besseres Ergebnis als der Vorgängerjahrgang. Mareike
Knue und Mark Steffens (im Bild mit Schulleiter Johannes Pruisken und seiner
Stellvertreterin Schwester Antonia Duisen) erhielten für ihre Spitzenleistungen
die Traumnote 1,1. Sibylle Stoßberg erreichte einen Durchschnitt von 1,2.
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Warum also könne er nicht vor sich „reihenweise
blasse, hohlwangige, vergeistigte Wesen" sehen, fragte sich Schulleiter
Pruisken. Und lieferte die Antwort gleich mit: Dieser Jahrgang habe einfach
erkannt, dass eine intellektuelle Tätigkeit nicht die persönliche
Entfaltung des Menschen hemme, sondern fördere. Mit Forschungsarbeiten
und Sommerakademien hätten die Schüler ihren Wissensdurst auch außerhalb
des Unterrichts gelöscht.
„Zur Formung einer Persönlichkeit, die den menschlichen Herausforderungen
der persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Zukunft gewachsen
ist, gehört aber mehr", stellte Pruisken klar. Leistung genüge
dem Anspruch einer franziskanischen Schule nicht. Sie setze - insbesondere durch
Förderung musisch-künstlerischer Fähigkeiten - auf eine umfassende
Bildung des Menschen.
„Im Sinne dieses Ziels unserer Schule haben wir es nun wirklich bei diesem
Jahrgang mit einem großen Reichtum zu tun", betonte der Pädagoge.
Er verwies auf die sportlichen Spitzenerfolge, auf die zahlreichen Mitglieder
in Schulorchester, Big Band und anderen Gruppen, auf Theater- und Schach-AG,
die Interessenvertretung und Streitschlichter.
Eine „Hörprobe" aus dieser Talentansammlung gaben Vera Lampenschulten,
Jonathan Nadjiri, Tim Tautorat und ein Abiturientenchor ab. Sie lieferten zusammen
mit der Big Band des Gymnasiums die musikalischen Beiträge der Abiturfeier.
Einen Rucksack für die Klettertour durchs Leben packte Elternvertreterin
Petra Heck. Wie ein Bergsteiger müssten die Abiturienten nicht nur eine
„Ausrüstung" besitzen, sondern auch lernen, Wissen und Talente
anzuwenden. Einen ersten Nachweis dieser Fähigkeiten hätten die jungen
Menschen mit dem Abitur erbracht. Eine Kletterpartie führe aber nur zum
Erfolg, wenn sie ein konkretes Ziel habe. Das Franziskusgymnasium habe über
„die Bildung des Herzens" den Schülern in besonderer Weise gelehrt,
Visionen zu entwickeln und sich zu begeistern.
Für die Abiturienten bewiesen Friederike Köhler und Markus Niemann,
dass sie den „Dreisatz" exzellent beherrschen: Die Vergangenheit
der 13 Jahre Schuljahre habe Spuren in den „jungen, unbeschwerten und
aufgeweckten Gesichtern von damals" hinterlassen. In der Gegenwart gelte
es den Lehrern und Eltern Dank zu sagen für Unterstützung, Engagement
und Prüfungsvorbereitung. Für die Zukunft seien sie also bestens gewappnet.
Warum sie mutig dem nächsten Lebensabschnitt entgegenstürmten, erklärte
Markus Niemann unter dem Jubel seiner Jahrgangskameraden so: „Wir sind
schließlich ein Haufen schlauer Füchse!"