Auch vor historischer Stätte führten
die Schüler des Franziskusgymnasiums ihre Aktion zum Gedenken an
die Deportation der Lingener Juden nach Riga durch. Diese lebten, aus
ihren eigenen Häusern vertrieben, bis zum 11. Dezember 1941 im sogenannten
„Judenhaus“ in der Marienstraße 4. Fotos: W. Roggendorf |
| wrog LINGEN. Vor 70 Jahren, am 11. Dezember
1941, wurden jüdische Mitbürger aus Lingen nach Riga deportiert.
Daran haben am Samstag Schüler des Franziskusgymnasiums in der Lingener
Innenstadt mit einer ungewöhnlichen Aktion erinnert.
Auf Anregung ihrer Politiklehrerin Ingrid Hartmann hatten sich die Mädchen
und Jungen der 9b mit dem Thema befasst. Gemeinsam mit Bruni Müllner
vom Theaterpädagogischen Zentrum setzten sie die Situation des Abtransportes
in ein theatrales Szenario um. Dieses führten sie am Samstagnachmittag
in mehreren Straßen der Lingener Innenstadt auf.
Dabei kam es den Schülern auch darauf an, die Gefühle zum Ausdruck
zu bringen, welche die Juden im Moment ihrer Deportation wahrscheinlich
gehabt hatten. „Ich habe mich in diese Menschen hineinversetzt und
versucht, ihre Trauer und Verzweiflung darzustellen“, sagte Esther
Thiering. Die 14-Jährige hielt die Aktion für wichtig. Deshalb
habe sie, wie alle ihre Klassenkameraden, daran freiwillig teilgenommen.
Gemischte Reaktionen
Während Esther mit einem Teil ihrer Mitschüler den Moment des
Zusammentreibens und des Abtransportes der jüdischen Lingener vor
70 Jahren darstellte, verteilten andere Schüler Flyer an die Passanten,
hielten Plakate hoch und machten so auf das Motiv ihrer Aktion aufmerksam
– und stießen damit auf äußerst gemischte Reaktionen:
„Ich lese das jetzt zum ersten Mal, wusste vorher nicht, dass es
auch aus Lingen Transporte gab“, bekannte Anke Fries, währendsie
einen der Flyer aufmerksam studierte. Sie fand die Aktion der Schüler
ebenso wie ihr Sohn Dorian gut. „Man sollte sich an die Geschichte
erinnern, damit das nicht wieder geschieht“, meinte dieser.
Doch die beiden bildeten eher die Ausnahme. „Ich hätte nicht
gedacht, dass die Leute einfach so teilnahmslos weitergehen“, klagte
Müllner über die Reaktion vieler Passanten. Die Leute hätten
vielleicht eher ans Einkaufen gedacht, vermutete Hartmann.
Der 16-jährige Jonas Eden bekam von einer Passantin den Flyer, der
über das Schicksal der Juden aus Lingen informieren sollte, wieder
zurück in die Hand gedrückt. „Man soll, auch wenn das
damals schlimm war, in die Zukunft schauen.“ Das Geschehene könne
man eh nicht mehr ändern, habe die Frau gesagt. Auch seinem Klassenkameraden
Leon Manske erging es kaum besser. „Viele hatten überhaupt
kein Interesse“, klagte der 15-Jährige.
Für Hartmann war die Aktion ihrer Schüler trotzdem ein Erfolg.
„Vielleicht haben sie irgendetwas in den Köpfen angestoßen“,
hoffte sie. Und auch für die Schüler der 9b sah die Politiklehrerin
einen positiven Effekt. „Ihnen sollte klar werden, dass auch heute
der Respekt vor anderen Menschen die Grundlage für den Frieden und
das Miteinander ist“, betonte sie.
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