Besuch der Generalprobe „Concerto recitativo ‚'Dieser Chopin ist ein Engel!' – Zehn Stationen einer rätselhaften Liebe“:
Gelungene Veranstaltung des Fachbereichs Musik


Musik und Leben des Frédéric Chopin
Concerto recitativo im Kulturforum
(Bericht: Lingener Tagespost vom 05.11.2011)


(Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse gaben Einblick in das Leben von Frédéric Chopin. Foto: R. Bonitz)



Lingen. Gemeinhin ist das Liebesleben eines Komponisten nicht unbedingt Thema eines Konzertabends. Die Reihe „Concerto recitativo“ setzt da bei Frédéric Chopin nicht ohne Grund ganz anders an: Hat doch die rätselhafte Liebe zwischen dem Meister und der durch und durch emanzipierten Schriftstellerin George Sand eine ganze Reihe musikalischer Werke „hervorgebracht“, welche mit zu den beeindruckendsten und auch wohl schönsten des großartigen gebürtigen Polen gehören.

Aufgeteilt in einzelne Stationen, lassen Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse diese neun Jahre anhand ausgesuchter Dokumente aufleben. Was den besonderen Reiz dieser „Lesung“ aber ausmacht, das ist die musikalische Umsetzung, man kann sagen, Ausdeutung.
In der gemeinsamen Zeit des Paares entstanden unter anderem die berühmten 24 Préludes sowie die Sonate h-Moll op. 54. Diese Werke „erklären“ auf zutiefst emotionale Weise die von den beiden Rezitatoren geschilderte Beziehung.
Dass diese Ausdeutung gelingt, ist ein großes Verdienst der niederländischen Pianistin Marjest Benoist. Es ist schon beeindruckend, wie sehr sich diese Künstlerin in die Musik hineindenkt, wie sie die ihr innewohnenden tiefen Gefühle erspürt und herausarbeitet. Das Spannende daran ist, wie dabei die Musik, auch durch die geschickt durchdachte Anordnung des Programms, in einen direkten Dialog mit dem Text tritt. So wird sie noch ganz anders erleb- und erfahrbar, und das ist dieser ganz besondere Reiz, der von „Concerto recitativo“ ausgeht und den Besuch so lohnenswert macht.

Schüler bei Generalprobe

Es ist eher ungewöhnlich, wenn in einer Rezension auch auf die Generalprobe eingegangen wird, in diesem Fall ist das unumgänglich, weil schon diese ein ausgefallenes Ereignis war: Sie fand im Gymnasium Georgianum vor rund 300 Schülern dieser Schule sowie des Franziskusgymnasiums statt. Siehe da, das war offensichtlich so spannend, dass das Auditorium still und konzentriert zuhörte. Ermöglicht wurde diese Aktion durch die beiden Musiklehrer der Schulen, Tobias Barko und Martin Kolbe sowie die Veranstalter des Konzertes, die Stadt Lingen und das Kulturforum Sankt Michael.
Zu solchen Kooperationen kann man allen Beteiligten nur gratulieren und die Hoffnung aussprechen, dass dies ein zukunftsfähiges Konzept wird.