Lingen. Gemeinhin ist das Liebesleben eines
Komponisten nicht unbedingt Thema eines Konzertabends. Die Reihe „Concerto
recitativo“ setzt da bei Frédéric Chopin nicht ohne
Grund ganz anders an: Hat doch die rätselhafte Liebe zwischen dem
Meister und der durch und durch emanzipierten Schriftstellerin George
Sand eine ganze Reihe musikalischer Werke „hervorgebracht“,
welche mit zu den beeindruckendsten und auch wohl schönsten des
großartigen gebürtigen Polen gehören.
Aufgeteilt in einzelne Stationen, lassen Annette Kristina
Banse und Hans Christian Schmidt-Banse diese neun Jahre anhand ausgesuchter
Dokumente aufleben. Was den besonderen Reiz dieser „Lesung“
aber ausmacht, das ist die musikalische Umsetzung, man kann sagen, Ausdeutung.
In der gemeinsamen Zeit des Paares entstanden unter anderem die berühmten
24 Préludes sowie die Sonate h-Moll op. 54. Diese Werke „erklären“
auf zutiefst emotionale Weise die von den beiden Rezitatoren geschilderte
Beziehung.
Dass diese Ausdeutung gelingt, ist ein großes Verdienst der niederländischen
Pianistin Marjest Benoist. Es ist schon beeindruckend, wie sehr sich
diese Künstlerin in die Musik hineindenkt, wie sie die ihr innewohnenden
tiefen Gefühle erspürt und herausarbeitet. Das Spannende daran
ist, wie dabei die Musik, auch durch die geschickt durchdachte Anordnung
des Programms, in einen direkten Dialog mit dem Text tritt. So wird
sie noch ganz anders erleb- und erfahrbar, und das ist dieser ganz besondere
Reiz, der von „Concerto recitativo“ ausgeht und den Besuch
so lohnenswert macht.
Schüler bei Generalprobe
Es ist eher ungewöhnlich, wenn in einer Rezension auch
auf die Generalprobe eingegangen wird, in diesem Fall ist das unumgänglich,
weil schon diese ein ausgefallenes Ereignis war: Sie fand im Gymnasium
Georgianum vor rund 300 Schülern dieser Schule sowie des Franziskusgymnasiums
statt. Siehe da, das war offensichtlich so spannend, dass das Auditorium
still und konzentriert zuhörte. Ermöglicht wurde diese Aktion
durch die beiden Musiklehrer der Schulen, Tobias Barko und Martin Kolbe
sowie die Veranstalter des Konzertes, die Stadt Lingen und das Kulturforum
Sankt Michael.
Zu solchen Kooperationen kann man allen Beteiligten nur gratulieren
und die Hoffnung aussprechen, dass dies ein zukunftsfähiges Konzept
wird.