Schülernetz gegen Armut
Beeindruckende Aufführung
(Bericht: Elisabeth Tondera, Lingener Tagespost vom 17.11.2011; Fotos: Kurt Neukirchen, Elisabeth Tondera)


Lingen. Wer ist eigentlich arm? Die Akteure des Seminarfaches „Darstellendes Spiel“ des 12. Jahrgangs des Franziskusgymnasiums haben sich im Zuge des regionalen Projektes „Schülernetz gegen Armut“ intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und die verschiedenen Aspekte des Armseins szenisch dargestellt. Entstanden ist eine abwechslungsreiche und vielschichtige Bühnencollage mit dem Titel „Arm – Mut“, die ernsthaft, aber auch mit einer Portion Humor die vielen Facetten des Themas abbildet.
Die Zuschauer sind von Anfang an mittendrin. Wenn sie die Aula des Franziskusgymnasiums betreten, begegnen sie schon auf der Treppe einigen Darstellern, andere sind bewegungslos im Raum verteilt. Ein schwarzer Pfad durchquert den Raum, überall liegen leere Plastikflaschen herum. Das Stück beginnt. Nach und nach erwachen die Darsteller aus ihrer Erstarrung, gehen zur Bühne und stellen sich vor. Ein Vorstandsvorsitzender eines erfolgreichen Hotelunternehmens ist dabei und einer, der es einmal war und nun nichts mehr hat, eine 23-Jährige auf Jobsuche, ein arbeitsloser 36-jähriger Familienvater, eine reiche Erbin und viele andere. Alle beschäftigt die Frage nach der Armut und was sie mit Mut zu tun hat. „Im Sozialstaat dürfte es Fälle wie meinen nicht geben“, sagt eine junge Obdachlose, während die Müllsammlerin meint: „Ich finde, Armut kann auch Hoffnung machen.“
Doch es gibt nicht nur die finanzielle Armut. Der Briefmarkensammler hat Angst vor sozialen Kontakten, die Karrierefrau, die sich über eine hungrige Obdachlose lustig macht, hat Probleme mit ihrer Beziehung.
Mit großem Gespür haben die Lehrerinnen Antje Zander und Silvia Lühn das schwierige Thema mit 17 Darstellern auf die Bühne gebracht. Es ist ein Spiel ohne einen Handlungsrahmen, aber es hält das Publikum durchgehend in Atem. Dies wird erreicht durch die ideenreiche Nutzung des gesamten Raumes, schnelle Szenenwechsel, den Einsatz vielfältiger szenischer Mittel wie Livemusik. Die Darsteller sind mit Spiellust und Kreativität bei der Sache. Sie bringen die Emotionen der agierenden Figuren ohne jede Theatralik und mit einer Intensität zum Ausdruck, die sich auch den Zuschauenden mitteilt.
Heute findet um 18 Uhr auf der Ems-Vechte-Welle ein Gespräch mit den Lehrerinnen und dem Schüler Lukas Lessing über das Seminarfach „Darstellendes Spiel“ und das Projekt „Arm – Mut“ statt.