Lehrer, Forscher, Förderer
Christof Tondera leitet seit 20 Jahren die AG „Jugend forscht“ am Franziskusgymnasium
(Bericht: Lingener Tagespost vom 26.02.2011)


(Die jungen Forscherinnen und Forscher am Lingener Franziskusgymnasium haben mit Lehrer Christof Tondera (hinten links) einen großen Förderer. Foto: Thomas Pertz
)
 

Von Thomas Pertz
Lingen. Einfach nur so rumquatschen - das ist Christof Tonderas Sache nicht. Das sagt er auch und nimmt dabei seine Hände zu Hilfe, die er in einer Form vor den Körper hält, als wollten sie nach etwas greifen.

Etwas Greifbares möchte der Mathe- und Physiklehrer am Lingener Franziskusgymnasium schon in den Händen halten. Im häufig theoriebeschwerten Unterricht kann dies nur selten gelingen. Der 55-Jährige, der gerne ausprobiert, experimentiert und handwerkelt, schafft es dennoch, weil er seine Aktivitäten nicht auf das Klassenzimmer beschränkt. Seit nunmehr 20 Jahren leitet Tondera die Arbeitsgemeinschaft „Jugend forscht“ an der Schule. Dass zahlreiche junge Menschen im Laufe der vergangenen Jahre bei „Jugend-forscht“-Wettbewerben Preise eingeheimst haben, lag neben deren persönlichen Fähigkeiten auch an der intensiven Betreuung durch den Pädagogen.
Im Physikraum der Schule sind die Mitglieder der AG versammelt: Klarissa Wieschebrock und Franziska Behlau zum Beispiel, die mit ihrem „Flossenantrieb“ für Schiffe gerade Sieger im Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ geworden sind. Oder Christian Merz, der mit Christoph Zeh einen CO2-freien Kühlschrank entwickelt hat. Oder Luisa Schulte, die sich mit dem Thema „Sichere Datenübertragung“ beschäftigt. Oder Henning Liersch, der einen selbst gebauten Roboter in den Händen hält. „Damit kann man einen Kanal auf Risse untersuchen“, sagt Henning locker. Der Elftklässler ist seit der sechsten Klasse in der AG. Wer einmal von Tondera auf naturwissenschaftlich-technische Pfade gelenkt worden ist, der bleibt meistens in dieser Spur. Er muss aber bereit sein, das Gleiche zu investieren wie der Mathe- und Physiklehrer: Zeit, auch samstags, auch in den Ferien. Die einzelnen Gruppen der AG mit jeweils maximal drei Schülerinnen und Schülern treffen sich am Montag, Mittwoch oder Freitag jeweils in der siebten und achten Stunde und bei Bedarf auch samstags.

Hohe Belastung

Tondera selbst ist natürlich ebenfalls in den Gruppenstunden dabei, formal als Aufsicht, aber vielmehr als Ratgeber, „Spiritus Rector“, der die Impulse gibt. „Die zweite Woche in den Weihnachtsferien und die Hälfte der Herbstferien wird ebenfalls an den Projekten gearbeitet“, sagt Tondera. Die Schülerinnen und Schüler testen dabei auch ihre eigenen Belastungsgrenzen aus, denn der Unterrichtsstoff darf natürlich nicht unter dem Forscherdrang leiden.
Dabei nimmt der Lehrer Rücksicht auf die jungen Forscher, wenn die mal nicht können, weil sie für eine Klausur büffeln müssen. Dann wird eben ein anderer Termin vereinbart. „Ich habe Zeit für die Schüler, wenn die Schüler Zeit haben“, meint der 55-Jährige nebenbei.
Was vordergründig wie Eigenlob klingen mag, zeugt von der pragmatischen Art, wie Tondera Wissensdurst und die Lust zum naturwissenschaftlichen Ausprobieren junger Menschen fördert.
Die Urkunde, die er bekommen hat, zeigt er auch erst auf Nachfrage. Tondera kramt in seiner Aktentasche, wo sie sich befindet. Immerhin in einer Klarsichthülle, aber zum Einrahmen hatte er noch keine Zeit. Oder keine Lust? Die Urkunde hat er im Rahmen der letzten „Jugend forscht“-Preisverleihung „für beispielhafte Förderung junger Talente“ erhalten. Natürlich hat sich der Pädagoge darüber gefreut. Aber noch mehr über die Erfolge „seiner“ AG-Schüler bei diesen Forschertreffen.
Tonderas familiäre Wurzeln liegen in Polen, er ist in Schlesien geboren. Der 55-Jährige kommt aus einer Tischlerfamilie, mit Holz- und Metallverarbeitung kennt er sich aus. Diese Kenntnisse haben ihm natürlich geholfen, um die AG über so viele Jahre hinweg leiten zu können. Die Idee, sie zu gründen, entsprang aus ersten Unterrichtserfahrungen als junger Lehrer. Ihn störte der stark „kopflastige“ Unterricht, das Überfrachten mit theoretischem Wissen, dem die praktische Anwendung fehlte. Die AG „Jugend forscht“ schließt diese Lücke. „Man erlebt hier den Schüler anders als im Unterricht, entdeckt Stärken, die einem bislang verborgen geblieben waren“, beschreibt er eigene Erkenntnisse.

Sponsoren
Die experimentelle Freude der jungen Leute ist gleichzeitig auch der Antrieb für den Lehrer weiterzumachen und Netzwerke zu Unternehmen und Einrichtungen wie der RWE oder dem Christophoruswerk zu knüpfen, in dessen Werkstätten das eine oder andere Bauteil für die Forschungsprojekte entstand. „Es macht mir einfach Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten, und es kommt etwas dabei herum“, sagt der Pädagoge. Wie gesagt: Einfach nur so rumquatschen – das ist Christof Tonderas Sache nicht.