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(Michael Kruse, künftiger Zehntklässler am Lingener Franziskusgymnasium, nahm am bundesweiten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil und hat für seine Arbeit über die Blockhüttenaffäre in Lingen u. a. einen Förderpreis über 100 Euro erhalten.) |
| Lingen. „Blockhüttenaffäre.
Der Abriss des Bundes Neudeutschland?!“ Mit dieser Arbeit beteiligte
sich der heute 15-jährige Michael Kruse am Geschichtswettbewerb des
Bundespräsidenten. Der Lohn für seine knapp halbjährige Arbeit:
Er wurde von den Juroren mit einem Förderpreis ausgezeichnet Seit 1973 gibt es den bundesweiten Geschichtswettbewerb, der alle zwei Jahre von der in Hamburg ansässigen Körber-Stiftung für Jugendliche ausgeschrieben wird – und mittlerweile Preise über insgesamt 250 000 Euro vergibt. „Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“ lautete das Thema des Wettbewerbes, der am 1. September 2010 startete. Eine Ankündigung dazu stand auch in dieser Zeitung – und das Interesse des 15-Jährigen, der auf dem Franziskusgymnasium zwar ein sprachlich ausgelegtes Profil belegt hat, Politik und Geschichte aber zu seinen Lieblingsfächern zählt, war geweckt. „Zudem erfuhr ich von einer guten Freundin in Winsen von diesem Wettbewerb – ihr Vater ist Geschichtslehrer, und auch sie hat eine Arbeit zu diesem Thema geschrieben. Das Wichtigste war zunächst die Themenfindung. „Leider fand ich zunächst keine geeigneten Skandale. Kleinere Proteste gegen das Atomkraftwerk, Widerstand gegen Bauprojekte oder bei Bränden in Industriebetrieben, das alles schien mir nicht so geeignet“, erklärte der Schüler, der sich in der Jungen Union auch politisch engagiert, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Der Lingener Stadtarchivar Stephan Schwenke brachte ihn schließlich auf die Idee zur Bearbeitung der sogenannten Blockhüttenaffäre. So hatte die 1920 auch in Lingen gegründete katholische Schülerorganisation „Bund Neudeutschland“ im Sommer 1932 auf dem Grundstück des Bauern Lübbers in Rheitlage eine massive Blockhütte gebaut, die schließlich auch von der örtlichen Hitlerjugend (HJ) genutzt wurde. Dies missfiel der katholischen Jugendgruppe und wollte die Hütte wieder abreißen – inzwischen übernahm die HJ die Hütte, und die Aufhebung der vom Bauern Lübbers bereits gemachten Genehmigung zum Abriss kam bei den NDlern anscheinend nicht an... So kam es zum Abriss der Hütte, dieser führte anschließend zu verschiedenen Repressalien gegenüber Mitgliedern des ND. Diese Geschichte arbeitete Kruse anhand von Akten und Zeitungsberichten auf – und fasste diese Ergebnisse auf 43 Seiten zusammen. „Und das Zusammenfassen aller Ergebnisse war gar nicht so einfach“, erinnert sich Kruse: „Aber das hilft mir dann sicherlich bei den noch anstehenden Arbeiten in der Schule.“ Und vielleicht hilft es ihm auch bei der Lingener Tagespost – hier wird er noch vor den Herbstferien ein Praktikum machen. Ob er 2012 beim nächsten Geschichtswettbewerb wieder dabei ist? „Mal sehen, ob das geht“, hofft er – er wird zu diesem Zeitpunkt ein Highschool-Jahr in den USA verbringen. „Aber reizen würde es mich, vielleicht über Auswanderer in die USA?“ Und wer sich für die Arbeit interessiert: In Kürze wird ein Exemplar im Lingener Stadtarchiv einzusehen sein. |
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Um den Abriss der Blockhütte des katholischen Schülerverbandes
„Bund Neudeutschland“ (ND) gab es 1935 in Lingen einen Skandal
– die Folgen reichten bis zu Schulverweisen für einzelne NDler.
Foto: Stadtarchiv Lingen |
| Geschichtswettbewerb: 123
000 Jungforscher seit 1973 Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland und will bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte wecken, Selbstständigkeit fördern und Verantwortungsbewusstsein stärken. Seit Wettbewerbsgründung 1973 durch den damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und den Stifter Kurt A. Körber haben über 123 000 junge Menschen mit mehr als 25 000 Beiträgen an den Wettbewerbsrunden unter wechselnden Themenstellungen teilgenommen. (vb) |
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