Wunsch nach einem Mauerfall zwischen Christen und Juden
Schüler des Franziskusgymnasiums gestalteten Gottesdienst
(Bericht: Lingener Tagespost vom 11.11.09)


Übernahm die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes: die Schola des Franziskusgymnasiums unter Leitung von Karl-Heinz Ossing. Foto: Manfred Buschhaus

mb Lingen. Die Lingener Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung der 71. Wiederkehr der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden eingeleitet von einem eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst in der Trinitatiskirche zu Lingen. Auch die Lingener Stadtkämmerin Dr. Claudia Haarmann und Stadtrat Björn Roth sah man unter den Gläubigen.
Gefeiert wurde der Gottesdienst von Pastor Wolfgang Becker. Die inhaltliche Gestaltung des würdigen und tief bewegenden Gottesdienstes hatten die Teilnehmer am Seminarfach „Israel – Palästina“ des Franziskusgymnasiums Lingen in Zusammenarbeit mit dem Forum Juden-Christen übernommen. Eine Instrumentalgruppe und die Schola des Franziskusgymnasiums Lingen umrahmten den Gottesdienst musikalisch.
„Wir Christen gedenken an diesem Tag der unmenschlichen Verfolgung unserer älteren Brüder, der Juden“, betonte Pastor Wolfgang Becker. Man dürfe nie vergessen, dass diese Verfolgung von Deutschen und deutschem Boden ausgegangen sei. Er freue sich, dass Schülerinnen und Schüler des Franziskusgymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Forum Juden-Christen die Aufgabe des Gedenkens übernommen hätten, erklärte er.
Symbolische Schritte im Mittelgang, Zeichen und Bilder von dem Holocaust-Denkmal in Berlin seien als Gedenken des Unfassbaren gedacht, das in deutschem Namen in der Nazizeit begangen worden sei. In diesem Gottesdienst wolle man sich ansprechen lassen von der Stimme Gottes und sich der Geschichte stellen.
Nach einem gemeinsamen Gebet stellten Schülerinnen und Schüler in Texten den vielstimmigen Chor der Meinungen zum Holocaust vor, der von der Gleichgültigkeit bis zur Betroffenheit reicht, und hielten ihm die erschreckenden Fakten der damaligen Verbrechen gegenüber.
„Durch das Gedenken am 9. November soll ein Mauerfall stattfinden zwischen Juden und Christen“, wünschte sich Pastor Becker in seiner Predigt. Es solle zusammenwachsen, was zusammengehöre. Man müsse nicht eins werden, aber es wäre schön, Feiertage gemeinsam zu erleben und sich am Geschenk und an der Heiligkeit des Lebens zu erfreuen, betonte Pastor Becker.