mb Lingen. Die Lingener Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung
der 71. Wiederkehr der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden
eingeleitet von einem eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst
in der Trinitatiskirche zu Lingen. Auch die Lingener Stadtkämmerin
Dr. Claudia Haarmann und Stadtrat Björn Roth sah man unter den
Gläubigen.
Gefeiert wurde der Gottesdienst von Pastor Wolfgang Becker. Die inhaltliche
Gestaltung des würdigen und tief bewegenden Gottesdienstes hatten
die Teilnehmer am Seminarfach „Israel – Palästina“
des Franziskusgymnasiums Lingen in Zusammenarbeit mit dem Forum Juden-Christen
übernommen. Eine Instrumentalgruppe und die Schola des Franziskusgymnasiums
Lingen umrahmten den Gottesdienst musikalisch.
„Wir Christen gedenken an diesem Tag der unmenschlichen Verfolgung
unserer älteren Brüder, der Juden“, betonte Pastor Wolfgang
Becker. Man dürfe nie vergessen, dass diese Verfolgung von Deutschen
und deutschem Boden ausgegangen sei. Er freue sich, dass Schülerinnen
und Schüler des Franziskusgymnasiums in Zusammenarbeit mit dem
Forum Juden-Christen die Aufgabe des Gedenkens übernommen hätten,
erklärte er.
Symbolische Schritte im Mittelgang, Zeichen und Bilder von dem Holocaust-Denkmal
in Berlin seien als Gedenken des Unfassbaren gedacht, das in deutschem
Namen in der Nazizeit begangen worden sei. In diesem Gottesdienst wolle
man sich ansprechen lassen von der Stimme Gottes und sich der Geschichte
stellen.
Nach einem gemeinsamen Gebet stellten Schülerinnen und Schüler
in Texten den vielstimmigen Chor der Meinungen zum Holocaust vor, der
von der Gleichgültigkeit bis zur Betroffenheit reicht, und hielten
ihm die erschreckenden Fakten der damaligen Verbrechen gegenüber.
„Durch das Gedenken am 9. November soll ein Mauerfall stattfinden
zwischen Juden und Christen“, wünschte sich Pastor Becker
in seiner Predigt. Es solle zusammenwachsen, was zusammengehöre.
Man müsse nicht eins werden, aber es wäre schön, Feiertage
gemeinsam zu erleben und sich am Geschenk und an der Heiligkeit des
Lebens zu erfreuen, betonte Pastor Becker.