wrog Lingen. 35 junge Forscher experimentierten ein Wochenende
lang bei den im Energiesektor tätigen Lingener Unternehmen RWE,
Gaz de France Suez, BP und Rosen. Ziel der von den Unternehmen in Kooperation
mit der Fachhochschule (FH) Osnabrück und der Stadt durchgeführten
Aktion war es, junge Leute für technische Berufe zu begeistern.
„Was Houston für Texas, das ist Lingen für den Nordwesten
Deutschlands“, betonte Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring die
Bedeutung Lingens als Energiestandort. Die Stadt habe sich deshalb die
Marke „Energy Valley“ offiziell sichern lassen. Bei der
Abschlussveranstaltung am Sonntag im Informationszentrum des Kernkraftwerks
präsentierten die Schüler, davon ungefähr ein Drittel
Mädchen, teilweise überraschende Erkenntnisse.
„Das Auftauen von Gefrorenem im Kühlschrank senkt dessen
Leistungsaufnahme und somit den Energieverbrauch“, lautete der
alltagstaugliche Rat der Gruppe, die bei RWE geforscht hatte. Die Erkenntnis,
dass die Speller Aa einen wesentlich höheren Chloridgehalt habe
als andere Flüsse in der Umgebung, gewannen die Schüler, welche
im Labor der BP Wasserproben untersucht hatten. Bei Gaz de France Suez
testeten Neunt- und Zehntklässler die Durchlässigkeit verschiedener
Sandböden. „Auch nach sehr viel Öl bohren lohnt sich
nicht, wenn es für das Unternehmen zu lange dauert, es zu fördern“,
stellten die Schüler fest.
Bei der Firma Rosen wurde nicht nur geforscht, sondern auch gebaut:
Aus Styropor, Holz und Kunststoffbechern entstanden Windturbinen. Für
den notwendigen Luftzug während der Vorstellung der Modelle sorgte
Dr. Hubertus Flügge, Leiter des Kraftwerkstandortes Lingen der
RWE, höchstpersönlich.
„Wir machen das als Unternehmen nicht uneigennützig“,
skizzierte Flügge das Ziel des Workshops, den künftigen Bedarf
an technischen Berufen zu decken. In Osnabrück betreibe die FH
ein ständiges Schülerforschungszentrum, erklärte Nicole
Valerius von der Öffentlichkeitsarbeit der RWE ergänzend.
„In Lingen gibt es nur den KinderCampus FH für die Jüngeren“,
sagte sie. „Wir wollen mit dem Workshop den Versuch machen, auch
die älteren Jugendlichen anzusprechen.“
Flügge möchte den Workshop gerne öfter durchführen.
Bei den meisten Teilnehmern rannte er mit diesem Wunsch offene Türen
ein. „Ich fand das gut, würde sofort wieder mitmachen“,
zeigte sich nicht nur die 16-jährige Anja Leipnitz vom Gymnasium
Georgianum begeistert. Sie sei schon immer an Technik interessiert gewesen.
Gemeinsam mit Sarah Koopmann (15) und Sonja Tebbel
(13) vom Franziskusgymnasiums äußerte Anja nur eine Kritik
am Workshop für junge Forscher. „Wir wollen uns selber aussuchen
dürfen, in welchem Bereich wir experimentieren“, forderten
die Schülerinnen übereinstimmend.
Flügge gab sich mit dem Ergebnis des Workshops zufrieden. Die Unternehmen
hätten zwar 60 Plätze angeboten, aber für das erste Mal
sei die Beteiligung mit 35 jungen Forschern gut gewesen. „Junge
Leute haben heute sehr viel vor, aber die Teilnehmer haben ein ganzes
Wochenende dafür abgezwackt“, lobte Flügge.