Experimente im „Energy Valley“
Junge Forscher beeindruckten
(Bericht und Fotos: Lingener Tagespost vom 17.11.2009)

(Die jungen Forscher mit Gastgeber
Dr. Hubertus Flügge)


(Mächtig ins Zeug legte sich Dr. Hubertus Flügge, damit die Windturbine der beiden 14-jährigen Schüler des Georgianums, Lukas Dankelmann (links) und Maximilian Heuking, lief.)

wrog Lingen. 35 junge Forscher experimentierten ein Wochenende lang bei den im Energiesektor tätigen Lingener Unternehmen RWE, Gaz de France Suez, BP und Rosen. Ziel der von den Unternehmen in Kooperation mit der Fachhochschule (FH) Osnabrück und der Stadt durchgeführten Aktion war es, junge Leute für technische Berufe zu begeistern.
„Was Houston für Texas, das ist Lingen für den Nordwesten Deutschlands“, betonte Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring die Bedeutung Lingens als Energiestandort. Die Stadt habe sich deshalb die Marke „Energy Valley“ offiziell sichern lassen. Bei der Abschlussveranstaltung am Sonntag im Informationszentrum des Kernkraftwerks präsentierten die Schüler, davon ungefähr ein Drittel Mädchen, teilweise überraschende Erkenntnisse.
„Das Auftauen von Gefrorenem im Kühlschrank senkt dessen Leistungsaufnahme und somit den Energieverbrauch“, lautete der alltagstaugliche Rat der Gruppe, die bei RWE geforscht hatte. Die Erkenntnis, dass die Speller Aa einen wesentlich höheren Chloridgehalt habe als andere Flüsse in der Umgebung, gewannen die Schüler, welche im Labor der BP Wasserproben untersucht hatten. Bei Gaz de France Suez testeten Neunt- und Zehntklässler die Durchlässigkeit verschiedener Sandböden. „Auch nach sehr viel Öl bohren lohnt sich nicht, wenn es für das Unternehmen zu lange dauert, es zu fördern“, stellten die Schüler fest.
Bei der Firma Rosen wurde nicht nur geforscht, sondern auch gebaut: Aus Styropor, Holz und Kunststoffbechern entstanden Windturbinen. Für den notwendigen Luftzug während der Vorstellung der Modelle sorgte Dr. Hubertus Flügge, Leiter des Kraftwerkstandortes Lingen der RWE, höchstpersönlich.
„Wir machen das als Unternehmen nicht uneigennützig“, skizzierte Flügge das Ziel des Workshops, den künftigen Bedarf an technischen Berufen zu decken. In Osnabrück betreibe die FH ein ständiges Schülerforschungszentrum, erklärte Nicole Valerius von der Öffentlichkeitsarbeit der RWE ergänzend. „In Lingen gibt es nur den KinderCampus FH für die Jüngeren“, sagte sie. „Wir wollen mit dem Workshop den Versuch machen, auch die älteren Jugendlichen anzusprechen.“
Flügge möchte den Workshop gerne öfter durchführen. Bei den meisten Teilnehmern rannte er mit diesem Wunsch offene Türen ein. „Ich fand das gut, würde sofort wieder mitmachen“, zeigte sich nicht nur die 16-jährige Anja Leipnitz vom Gymnasium Georgianum begeistert. Sie sei schon immer an Technik interessiert gewesen. Gemeinsam mit Sarah Koopmann (15) und Sonja Tebbel (13) vom Franziskusgymnasiums äußerte Anja nur eine Kritik am Workshop für junge Forscher. „Wir wollen uns selber aussuchen dürfen, in welchem Bereich wir experimentieren“, forderten die Schülerinnen übereinstimmend.
Flügge gab sich mit dem Ergebnis des Workshops zufrieden. Die Unternehmen hätten zwar 60 Plätze angeboten, aber für das erste Mal sei die Beteiligung mit 35 jungen Forschern gut gewesen. „Junge Leute haben heute sehr viel vor, aber die Teilnehmer haben ein ganzes Wochenende dafür abgezwackt“, lobte Flügge.