Vom Junkie zum Ironman
Andreas Niedrig erzählte seine Lebensgeschichte

(Bericht und Foto: Lingener Tagespost vom 30.10.09)


Insgesamt 1500 Jugendliche hörten bei zwei Veranstaltungen die Lebensgeschichte von Andreas Niedrig. Foto: Wilfried Roggendorf
wrog Lingen. Vor insgesamt 1500 Schülern und etwa 250 Erwachsenen berichtete Andreas Niedrig auf drei Veranstaltungen im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe, wie er vom drogenabhängigen Kriminellen zum Triathleten von Weltklasseformat wurde.

Die erste Zigarette mit dreizehn, der erste Joint und schließlich die erste Nadel, mit der Andreas Niedrig das Heroin in seinen Körper spritzte. Eine Drogenkarriere, die für seine damaligen Freunde in den Tod führte. Der Film „Lauf um dein Leben“ zeigt diese fatale Entwicklung in der Jugend von Niedrig. Doch am Ende des Films und im wahren Leben des Junkies gibt es ein Happy End. Niedrig hat es, auch motiviert durch die Liebe zu seiner Frau Sabine, geschafft, Triathlon-Profi zu werden.

Nachdem die Schüler den Film gesehen hatten, stellte sich Andreas Niedrig ihren Fragen. Wie er zu den harten Drogen gekommen sei? „Ich konnte mit meiner inneren Unruhe nichts anfangen“, so Niedrig. „Die Zigarette war ein Freund, für den ich mit 13 nichts tun musste.“ Die ersten Joints hätten dann ein Egal-Gefühl erzeugt. Und so ziemlich egal sei ihm damals alles gewesen.
„Ich wollte dieses Egal-Gefühl immer wieder, immer mehr haben“, schildert Niedrig seinen Abrutsch in den Drogensumpf, bei dem auch der Gruppenzwang eine Rolle gespielt habe. Nach seiner Therapie habe er sich Ziele gesetzt und verwirklicht. Erst ein Arbeitsplatz als Hilfsarbeiter, dann der nachgeholte Realschulabschluss, schließlich der Hochleistungssport.
„Sich Ziele setzen“ lautete daher die zentrale Aufforderung von Niedrig an seine jugendlichen Zuhörer. „Ihr habt so viel Potenzial in euch“, machte er den Schülern Mut. Aber „viel haben vom Leben heißt viel tun für das Leben“, forderte er die jungen Menschen auf, selber aktiv und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten.
Die 14-jährige Nadja Djalal besucht das Franziskusgymnasium. Sie war von Niedrig begeistert. „Ich hatte mir den eher wie einen typischen Junkie vorgestellt, aber der ist ja schwer sympathisch“, sagte Nadja, nachdem sie ein Autogramm von Niedrig bekommen hatte. „Ich werde mir jetzt Ziele aussuchen und immer darauf schauen.“
Die ebenfalls 14 Jahre junge Denise Watemeier ist da noch nicht so sicher. „Ich soll meine Ziele nicht aus den Augen verlieren“, habe sie durch den „gar nicht langweiligen Vortrag“ von Niedrig gelernt. „Aber, ob das konkret was gebracht hat, weiß ich so nicht“, meinte Denise. Immerhin ist sie sich sicher, dass sie „so einen Mist“ wie Niedrig in seiner Jugend nicht machen wird.
Im Anschluss an den Kinofilm und den Vortrag von Niedrig nutzten die jungen Besucher die Möglichkeit, sich an Ständen der Polizei, der Diakonie, der Aidshilfe und der Technikerkrankenkasse, die die Veranstaltung gemeinsam mit der Stadt Lingen organisiert hatten, über die Drogenproblematik zu informieren.
Drei Jugendliche werden die Veranstaltung mit Andreas Niedrig in besonders guter Erinnerung behalten. Sie gewannen bei einer Verlosung jeweils ein Radtrikot des Triathleten. Als Hauptgewinn konnte die 16-jährige Nadine Niebusch zusätzlich einen iPod mit auf den Heimweg nehmen.