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Von Burkhard Müller
Lingen. Wer gestern zur Inbetriebnahme des neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks
(GuD) der RWE in Lingen kein Emsländer war, hätte sich gewünscht,
einer zu sein: So dick prasselten die Glückwünsche und das Lob
für Planung, Grundsteinlegung bis hin zur reibungslosen Inbetriebnahme
des GuD auf die Verantwortlichen vor Ort hernieder. Mit „Jürgen, es tut mir wirklich leid“, entschuldigte sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff bei dem RWE Vorstandsvorsitzenden Dr. Jürgen Großmann für seine rund zehnminütige Verspätung. „Wer 500 Millionen Euro in die Hand nimmt, um in Lingen ein neues Kraftwerk zu bauen, darf sich schon darauf verlassen, dass der Ministerpräsident auch pünktlich kommt“, betonte Wulff launig gegenüber seinem Duzfreund. Noch schnell ein Foto für die Presse und dann rasch ins Zelt, wo rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf die beiden „Alpha-Tiere“ aus Politik und Wirtschaft warteten. |
Seit gestern unter Dampf: das neue
Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Lingen. Foto: dpa |
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Wer geglaubt hat, dass nun eine trockene
Rede nach der anderen folgt, sah sich angenehm überrascht. Nach der
Begrüßung durch den Leiter der Gaskraftwerke am Standort Lingen,
Nikolaus Valerius, erinnerte der Vorstandsvorsitzende von RWE Power, Dr.
Johannes Lambertz, daran, dass für das Kraftwerk nicht weniger als
22 000 Tonnen Beton verbaut, 415 Kilometer Kabel verlegt und 14 000 Schweißnähte
mit einer Gesamtlänge von rund zehn Kilometern gezogen wurden. „Mit
diesem Kraftwerk, 500 Millionen Euro teuer, 887 Megawatt stark und einem
Wirkungsgrad von nahezu 60 Prozent, sind wir in die Champions League aufgestiegen“,
rief Lambertz den Gästen zu.
Was das Emsland so besonders macht?, wollte im Anschluss
an die Begrüßung die Moderatorin einer Dialogrunde, Felicia
Sigglow, vom emsländischen Landrat Hermann Bröring wissen –
und hatte damit, wohl unwissend, ein Fass auf gemacht. Eine solche Steilvorlage
ließ sich Bröring nicht nehmen: „Wir sind ein Land voller
Energie: Ob RWE, BP, GDF Suez oder Windkraft. Aber: Die eigentliche Energie
liefern die Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Von nichts kommt nichts,
und wir gehören zu denen, die selbst anpacken und uns nicht nur auf
die Hilfe der anderen verlassen“, hatte Bröring mit einem Satz
das ganze Festzelt hinter sich versammelt. Langen Beifall und einen anerkennenden Schlag auf die Schulter, nach dem Motto: Mensch, das hast du wirklich gut gemacht, erntete als weiterer Teilnehmer der Dialogrunde Johannes Albers, Schüler des Franziskusgymnasiums, von Bröring. Als Landessieger in „Jugend forscht“, Fach Physik, hatte Johannes Windmodelle nachgebaut und deren Wirkungsgrad nicht nur stark erweitert, sondern verdoppelt. Ganz in seinen Bann zog der RWE-Chef die Gäste des Festaktes. „Hier wird nicht gejammert, hier wird zugepackt und das erfolgreich. Das spürt man, und das sieht man“, erklärte ein gut gelaunter Vorsitzender und ergänzte: „Lingen macht Spaß. Lingen hat Erfolg. Nicht zufällig passt Lingen zu gelingen.“ |
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