Der Skepsis folgt der Knalleffekt
Jugend forscht: Preise für Schüler aus Osnabrück und Lingen – Heute wieder im Klausuren-Stress
(Bericht und Foto: Lingener Tagespost vom 25.05.2009
)

Stolze Jungforscher: Die Lingener Sven Krummen (oben, Dritter von links) und Christian Wassermann (rechts) präsentieren den Ministerinnen Annette Schavan (Mitte) und Elisabeth Heister-Neumann ihren Versuchsaufbau. Bereits den zweiten Bundessieg feierte Raphael Errani (kleines Bild) vom Athenaeum Stade. Fotos: Jörn Martens/ddp


Von Karsten Grosser Osnabrück. Gymnasiasten aus Osnabrück und Lingen haben im Finale des 44. Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ hohe Auszeichnungen erhalten. Einer der in zehn Kategorien ausgelobten Bundessiege blieb ihnen gestern aber verwehrt.


Osnabrück. Ben Heuer hat nicht wirklich dran geglaubt. „Ich hatte das Gefühl, die Juroren waren nicht so interessiert an unserem Projekt“, blickt der 15-jährige Carolinum-Schüler aus Osnabrück auf die Präsentation seines Computerprogramms zur 3-D-Darstellung von Molekülen zurück. Auch bei Stefan Mühlbauer (16), der die Software gemeinsam mit Ben entwickelt hat, wächst die Skepsis während der Preisverleihung in der Osnabrückhalle. Seine Vermutung: „Vierter, Fünfter oder gar nichts.“
Doch dann der Knalleffekt: Moderatorin Angela Elis liest die Standnummer der Osnabrücker vor: Platz zwei im Fachgebiet Chemie. Ärgerlich nur, dass Elis ausgerechnet die beiden Lokalmatadoren bei den Interviews auf der Bühne übergeht, um Zeit zu sparen. Stefan nimmt’s leicht: Das komplexe Thema ihrer Arbeit wäre sowieso nicht in wenigen Worten zu erklären gewesen.
Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro wollen die Schüler in die Forschung stecken. Etwa um Gebrauchsmusterschutz für ihr Programm zu beantragen. Oder um einen neuen Rechner zu kaufen. Für Ben indes bleibt zunächst wenig Zeit, darüber nachzudenken. Schon heute steht für den Zehntklässler eine zweistündige Französisch-Klausur auf dem Stundenplan.
Noch stressiger dürfte die Rückkehr in den Schulalltag für Sven Krummen und Christian Wassermann werden. Am Franziskus-Gymnasium in Lingen müssen die beiden 18-Jährigen heute vier Unterrichtsstunden lang über Klausuraufgaben in den Fächern Physik und Kunst schwitzen. Zeit zum Üben ist in den vergangenen Tagen kaum geblieben, dafür einmalige Eindrücke. „Wahnsinn, mehr kann ich nicht dazu sagen“, meint Krummen. Dem am Samstagabend verliehenen Sonderpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Wert von 1000 Euro folgt gestern Platz fünf im Fachgebiet Physik – dotiert mit 250 Euro. Krummen und Wassermann haben untersucht, ob sich Vorteile für die Aerodynamik von Tragflächen ergeben, wenn man die besondere Form von Buckelwal-Flossen überträgt. „Wenn sogar ein A 380 fliegen kann, warum nicht auch ein Wal?“, erklärt Krummen die Motivation für das Projekt.
Einen Sonderpreis stauben auch die drei Berufsschüler Ralf Wilken, Nico Ochs und André Wünschmann aus Emden ab: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall honoriert die Entwicklung eines elektromagnetischen Bohrschraubstocks mit 500 Euro.
Derweil erringt ein weiterer Niedersachse bereits zum zweiten Mal einen Bundessieg: Raphael Errani vom Athenaeum Stade erhält den vom Bundespräsidenten Horst Köhler gestifteten Preis für eine außergewöhnliche Arbeit. Der 19-Jährige simulierte am Computer, wie sich ein Ring aus Dunkler Materie in der Milchstraße gebildet haben könnte. Vor zwei Jahren hatte er für die Berechnung der Einschlagwahrscheinlichkeit von größeren Asteroiden auf der Erde schon den Preis für die originellste Arbeit eingeheimst. Mit Astronomie beschäftigt sich der Jungforscher seit der siebten Klasse. Ein Grund: die schuleigene Sternwarte. Begründung: „Es ist doch interessant zu erfahren, wo man herkommt . . . ?“
Dieser Forschergeist ist ganz im Sinne von Annette Schavan: „Wir Alten sind hoch interessiert an Euren Ideen“, rief die Bundesforschungsministerin den 200 Teilnehmern des Bundesfinales (107 Projekte) in der Osnabrückhalle zu. „Was wäre die Bundesrepublik Deutschland ohne ihre Wissenschaftler?“, betonte sie. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der gastgebenden DBU, versteht das auch als Aufruf an die Bildungseinrichtungen in der Region: „Bei den Schulen vor Ort gibt es noch ein Riesenpotenzial.“


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