Von Karsten Grosser Osnabrück. Gymnasiasten aus Osnabrück
und Lingen haben im Finale des 44. Bundeswettbewerbs „Jugend
forscht“ hohe Auszeichnungen erhalten. Einer der in zehn Kategorien
ausgelobten Bundessiege blieb ihnen gestern aber verwehrt.
Osnabrück. Ben Heuer hat nicht wirklich dran geglaubt. „Ich
hatte das Gefühl, die Juroren waren nicht so interessiert an
unserem Projekt“, blickt der 15-jährige Carolinum-Schüler
aus Osnabrück auf die Präsentation seines Computerprogramms
zur 3-D-Darstellung von Molekülen zurück. Auch bei Stefan
Mühlbauer (16), der die Software gemeinsam mit Ben entwickelt
hat, wächst die Skepsis während der Preisverleihung in der
Osnabrückhalle. Seine Vermutung: „Vierter, Fünfter
oder gar nichts.“
Doch dann der Knalleffekt: Moderatorin Angela Elis liest die Standnummer
der Osnabrücker vor: Platz zwei im Fachgebiet Chemie. Ärgerlich
nur, dass Elis ausgerechnet die beiden Lokalmatadoren bei den Interviews
auf der Bühne übergeht, um Zeit zu sparen. Stefan nimmt’s
leicht: Das komplexe Thema ihrer Arbeit wäre sowieso nicht in
wenigen Worten zu erklären gewesen.
Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro wollen die Schüler in
die Forschung stecken. Etwa um Gebrauchsmusterschutz für ihr
Programm zu beantragen. Oder um einen neuen Rechner zu kaufen. Für
Ben indes bleibt zunächst wenig Zeit, darüber nachzudenken.
Schon heute steht für den Zehntklässler eine zweistündige
Französisch-Klausur auf dem Stundenplan.
Noch stressiger dürfte die Rückkehr in den Schulalltag für
Sven Krummen und Christian Wassermann werden. Am Franziskus-Gymnasium
in Lingen müssen die beiden 18-Jährigen heute vier Unterrichtsstunden
lang über Klausuraufgaben in den Fächern Physik und Kunst
schwitzen. Zeit zum Üben ist in den vergangenen Tagen kaum geblieben,
dafür einmalige Eindrücke. „Wahnsinn, mehr kann ich
nicht dazu sagen“, meint Krummen. Dem am Samstagabend verliehenen
Sonderpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Wert von
1000 Euro folgt gestern Platz fünf im Fachgebiet Physik –
dotiert mit 250 Euro. Krummen und Wassermann haben untersucht, ob
sich Vorteile für die Aerodynamik von Tragflächen ergeben,
wenn man die besondere Form von Buckelwal-Flossen überträgt.
„Wenn sogar ein A 380 fliegen kann, warum nicht auch ein Wal?“,
erklärt Krummen die Motivation für das Projekt.
Einen Sonderpreis stauben auch die drei Berufsschüler Ralf Wilken,
Nico Ochs und André Wünschmann aus Emden ab: Der Arbeitgeberverband
Gesamtmetall honoriert die Entwicklung eines elektromagnetischen Bohrschraubstocks
mit 500 Euro.
Derweil erringt ein weiterer Niedersachse bereits zum zweiten Mal
einen Bundessieg: Raphael Errani vom Athenaeum Stade erhält den
vom Bundespräsidenten Horst Köhler gestifteten Preis für
eine außergewöhnliche Arbeit. Der 19-Jährige simulierte
am Computer, wie sich ein Ring aus Dunkler Materie in der Milchstraße
gebildet haben könnte. Vor zwei Jahren hatte er für die
Berechnung der Einschlagwahrscheinlichkeit von größeren
Asteroiden auf der Erde schon den Preis für die originellste
Arbeit eingeheimst. Mit Astronomie beschäftigt sich der Jungforscher
seit der siebten Klasse. Ein Grund: die schuleigene Sternwarte. Begründung:
„Es ist doch interessant zu erfahren, wo man herkommt . . .
?“
Dieser Forschergeist ist ganz im Sinne von Annette Schavan: „Wir
Alten sind hoch interessiert an Euren Ideen“, rief die Bundesforschungsministerin
den 200 Teilnehmern des Bundesfinales (107 Projekte) in der Osnabrückhalle
zu. „Was wäre die Bundesrepublik Deutschland ohne ihre
Wissenschaftler?“, betonte sie. Fritz Brickwedde, Generalsekretär
der gastgebenden DBU, versteht das auch als Aufruf an die Bildungseinrichtungen
in der Region: „Bei den Schulen vor Ort gibt es noch ein Riesenpotenzial.“