Das Seminarfach „Judentum“ trägt Früchte
Mitarbeit von Simon Göhler am Buch „Der jüdische Friedhof in Lingen“
(nach einem Artikel der Lingener Tagespost; Fotos: Ludger Jungeblut)

Dokumentiert sind die Lebensgeschichten der jüdischen Bürger Lingens in dem Buch „Der Jüdische Friedhof“. Im Beisein von der Autorin Anne Scherger wurde das Buch jetzt im Emslandmuseum vorgestellt. Über das gelungene Werk freuten sich (von links) Heiner Schüpp, Irene Vehring, Simon Göhler, Bernhard Grünberg, Dr. Walter Klöppel, Anne Scherger, Bernhard Neuhaus, Pinchas Katz und Dr. Andreas Eiynck.

 

Elf Jahre lang hat Anne Scherger an ihrem Beitrag zur Geschichte der Juden aus dem Raum Lingen recherchiert. „Durchaus mit kriminalistischem Spürsinn“, wie die frühere Lehrerin an der Marienschule im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Herausgeber des 144-seitigen Buches ist das „Forum Juden - Christen Altkreis Lingen e.V.“ in Verbindung mit dem Heimatverein Lingen. Am 11. Mai 2009 wurde das Buch im Rahmen einer Feierstunde im Emslandmuseum Lingen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Anne Scherger gelang es in einer immensen Fleißarbeit, Informationen über die Familiengeschichten der Menschen zusammenzutragen, deren Grabsteine noch existieren. Sie erzählt aber auch vom Schicksal der Familienmitglieder, die nicht in heimatlicher Erde ruhen, sondern als Folge des Holocaust kein Grab haben oder irgendwo in der Fremde beerdigt sind.
Frau Scherger dankte dem 20-jährigen Abiturienten Simon Göhler vom Franziskusgymnasium, der sich in seinem Seminarfach mit der jüdischen Geschichte in Lingen befasste und bei einer Führung über den Friedhof Frau Scherger kennenlernte. Der junge Mann sorgte für die Eingabe der hebräischen und deutschen Grabsteintexte in den Computer, formatierte die Texte und scannte die Bilder ein.
Simon Göhler hat durch seine Mitarbeit an dem Buch vieles gelernt. Eines hat er aber nicht verstanden: „Ich weiß nicht, was sich Menschen gedacht haben, als sie ihre Mitbürger öffentlich demütigten.“ Auf die Kernfrage, wie die Entrechtung und Ermordung der jüdischen Bürger passieren konnte, weiß auch Anne Scherger keine Antwort: „Es ist unmöglich, heute den Zeitgeist während der Nazi-Herrschaft zu vermitteln.“ Pinchas Katz, ein Jude, der viele Jahre in Israel gelebt und zahlreiche Angehörige in der Schoah verloren hat, hörte kürzlich in Dortmund den Vortrag eines Professors über den Holocaust. Dabei stellte der Professor fest, dass die Judenvernichtung trotz aller Forschungen nicht zu begreifen ist.

Eine große Hilfe war Anne Scherger bei der Erstellung des Buches über den Jüdischen Friedhof in Lingen die Unterstützung des Künstlers Pinchas Katz (links) und des Gymnasiasten Simon Göhler. Für das Werk hatte Frau Scherger elf Jahre lang weltweit recherchiert und dabei auch viele Kontakte zu Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen geknüpft.

Ausfühliche Informationen:

Lingener Tagespost, 09.05.09: "Mit kriminalistischem Spürsinn Schicksale geklärt" (mehr)
Lingener Tagespost, 13.05.09: „Die Gräber zum Sprechen gebracht“ (mehr)