Durch den Aufstand Ehre wiederhergestellt
Lehrhausgespräch des Forums Juden-Christen
(Lingener Tagespost vom 20.02.2009)

Das Lehrhausgespräch Forum Juden-Christen in der alten Jüdischen Schule in Lingen wurde von den Lehrerinnen Maike Kühlenborg und Tanja Hörnschemeyer, Simon Göhler, Dr. Heribert Lange, Hanna Alvers und Susanne Haarmann gestaltet (von links). Foto: Wilfried Roggendorf

 

wrog Lingen. Schüler des Franziskusgymnasiums besuchten das „Lehrhausgespräch“ des Forums Juden-Christen in der alten Jüdischen Schule in Lingen. Dort präsentierten drei von 16 Schülern der Jahrgangsstufe 13 ihre Arbeiten aus dem Seminarfach „Judentum“.

„Dieses Seminarfach dient dazu, wissenschaftliches propädeutisches Arbeiten fächerübergreifend zu lernen“, so Lehrerin Tanja Hörnschemeyer, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Maike Kühlenborg betreut hatte. Hanna Alvers trug zum Thema „Die Kinder von Theresienstadt“ vor. „Einerseits das Leid durch ständige Angst vor Deportation und den menschenunwürdigen Umständen, andererseits die Kultur, die aufgrund der Propagandafunktion von Theresienstadt möglich war“, lautete das Fazit ihres Beitrags. Mit dem „Widerstand im Warschauer Ghetto“ beschäftigte sich Susanne Haarmann. Die Schülerin schilderte den 28 Tage dauernden aussichtslosen Kampf von „700 schlecht ausgebildeten und bewaffneten Juden gegen 2000 Soldaten“. „Den Juden ist es gelungen, durch den Aufstand ihre Ehre und ihre Würde wiederherzustellen“, zollte Haarmann den Widerstandskämpfern gegen das nationalsozialistische Regime ihren Respekt. Diese Bedeutung des Aufstandes sei sogar Bestandteil der israelischen Staatsdoktrin geworden. Simon Göhler glaubt: „Ich persönlich würde es nicht schaffen, die jüdischen Trauerregeln einzuhalten.“ In seinem Vortrag verglich er die katholischen und jüdischen Bestattungsriten. Der Beitrag wurde von den Besuchern des „Lehrhausgespräches“ ausgiebig diskutiert. Dr. Heribert Lange vom Vorstand des Forums Juden-Christen erklärte unter einem herzhaften Lachen aller, warum: „Die Jugendlichen werden sich wundern, wie lange wir darüber sprechen. Aber in unserem Alter steht man dem Problem näher“, meinte der 68-Jährige. „Ich sehe in den jüdischen Riten mehr Zuversicht und Ergebenheit“, kommentierte er den Vortrag von Göhler. Ratsherr Michael Fuest (Grüne) fand es „sehr beeindruckend und positiv, dass diese Thematik vom Franziskusgymnasium vorangetrieben und umgesetzt wurde“.

Am Mittwoch, 25. Februar, wird um 19.30 Uhr eine Sonderveranstaltung des Forums Juden-Christen zum Thema Bischof und Holocaustleugner Richard Williamson stattfinden. Falls die kleine Jüdische Schule nicht genügend Platz bietet, wird spontan in die Kreuzkirche ausgewichen.