„Spüren, was die Musik macht“
Projekt „Zeitgenössische Musik“ im Franziskusgymnasium
(Bericht und Foto: Elisabeth Tondera; Lingener Tagespost vom 15.01.2009)

Der Komponist und Musiker Willem Schulz arbeitet mit einem Musikkurs des Franziskusgymnasiums im Rahmen des Projektes der Niedersächsischen Sparkassenstiftung „Zeitgenössische Musik in der Schule“.

to Lingen. Im bunten Durcheinander liegen Musikinstrumente, Papprohre, Holzstäbe, Kartons zu Füßen der Schülerinnen und Schüler, die im Musikraum des Franziskusgymnasiums sitzen und erwartungsvoll zu dem Mann mit einem merkwürdigen Saiteninstrument in der Hand schauen.

Willem Schulz, freischaffender Komponist und Musiker, ist zum zweiten Mal gekommen, um im Rahmen des Projektes „Zeitgenössische Musik in der Schule“ der Niedersächsischen Sparkassenstiftung mit dem Musikkurs (13. Jahrgang) zum Thema „Abenteuer Musik – Improvisation, Konzeption, Komposition“ zu arbeiten.
Bevor er zu spielen beginnt, erklärt er, worauf die Schüler beim Zuhören achten sollen: „Es kommt nicht darauf an, wie die Musik historisch oder thematisch einzubinden ist, sondern zu spüren, was die Musik mit euch macht.“
Die Reaktionen sind unterschiedlich. Eine Schülerin meint, orientalische Klänge herausgehört zu haben, eine andere empfindet die Musik als sehr emotional, eine dritte stellt fest: „Im Gegensatz zum letzten Mal klang es sehr melodisch. Mehr wie richtige Musik.“
Der Musiklehrer Stefan Pohlmann erklärt, was damit gemeint ist: „Bei der ersten Projekteinheit spielte Willem Schulz auf dem Cello, und die Schüler empfanden das Spiel nicht als Musik, sondern als Erzeugen von Geräuschen. Es war für sie sehr ungewohnt, teilweise meinten sie sogar, sie würden auf den Arm genommen.“
Der Lehrer erzählt, wie das Befremden langsam nachließ. „Als die Schüler aufgefordert wurden, selbst Klänge zu erzeugen, erwachte ihr Interesse, und sie bekamen Spaß daran.“
Dieser Spaß ist auch in der zweiten Projekteinheit zu spüren. Willem Schulz lässt die Schüler mit Klängen experimentieren, zunächst einzeln, dann im Zusammenspiel. Einzelne Schüler dürfen spontan kleine Klangkompositionen entstehen lassen und sind immer eifriger dabei.
Stefan Pohlmann ist froh, dass sein Kurs die Möglichkeit bekommen hat, sich an dem dreiteiligen Projekt zu beteiligen. Auch eine Klasse 8 unter der Leitung der Fachlehrerin Emanuele Wellenbrock-Roters macht dabei unter dem Motto „Wort, Musik und Bewegung“ mit und bekommt Besuch von dem Tänzer Mikhail Honesseau und der Musikerin Lenka Zupková.
„Das Franziskusgymnasium ist eine von 25 niedersächsischen Schulen, die an dem Projekt teilnehmen, das die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium zum dritten Mal durchführt“, berichtet Lars Klukkert von der Sparkasse Emsland. Dabei werden junge Menschen ermutigt, kreativ mit Musik umzugehen und neue Hörzugänge zu finden.
Stefan Pohlmann hält dieses Projekt für sehr wichtig, um Schülern Zugang zu der neuen Musik zu eröffnen, denn im schulischen Musikunterricht könne dies nicht geleistet werden.