Parabel mit sehr ernstem Hintergrund
Aufführung des Franziskusgymnasiums – Vororchester bestens präpariert – Chor sehr gut vorbereitet
(Bericht: Raphael Bonitz, Lingener Tagespost vom 28.06.2008; Fotos: Kurt Neukirchen)

Lingen. Es ist eigentlich ein ganz fröhliches, lustiges Völkchen, dieses Mäuserudel, wenn da nicht die Bedrohung durch die Katze wäre. So wählen sie denn den Willibald zu ihrem „Boss“ . . ., und damit fängt die Misere an.

Der Unterstufenchor und das Vororchester des Franziskusgymnasiums führten das Musical „Der überaus starke Willibald“ auf, und was da als vermeintlich kurzweilig-fröhliche Geschichte begann, entpuppte sich sehr schnell als eine Parabel mit einem sehr ernsten Hintergrund. Denn ähnlich wie in George Orwells „Animals Farm“ zeichnet der Autor und Komponist Willi Fährmann in seinem Werk nach, wie diktatorisches Verhalten und Unterdrückung durch eine einzelne Person entsteht, wenn dieser in ihrem Tun zu viel Macht eingeräumt wird.
Fährmann bedient sich eines guten Tricks, um die Aufmerksamkeit zu binden. Seine Musik ist eingängig und flott. Die Melodien haben dabei durchaus Ohrwurmcharakter. Der Chor erweist sich als gut vorbereitet, aufmerksam und konzentriert, die räumliche Trennung von Orchester im hinteren Bühnenbereich und Chor auf der Seitenbühne macht es für die Leiterin Emanuele Wellenbrock-Roters nicht gerade einfacher, aber sie meistert das souverän.

Die jungen Schauspieler auf der Bühne sind von Gesine Redenius-Hoppe wunderbar vorbereitet und spielen die Geschichte sehr überzeugend. Willibald entpuppt sich immer mehr als ein Despot, der sein Rudel mit Exerzieren schikaniert, sinnlose Verbote erlässt und gegen diejenigen hetzt, die anders sind. Ihm steht dabei eine treu ergebene Schlägertruppe zur Seite.

Auch das von Stefan Pohlmann umsichtig geleitete Vororchester zeigt sich bestens präpariert und gibt sich stets präsent. Leider muss ein Manko benannt werden, die Tontechnik. Sie erwies sich als unausgewogen, die Gesangssolisten beispielsweise waren viel zu laut ausgesteuert. Nein! Diese tolle Leistung von allen hätte da etwas Besseres verdient gehabt.

Willibalds Anordnungen werden immer absurder. Als eine der Mäuse dabei zu Tode kommt, setzt bei den anderen ein Umdenken ein. Und da zeigt die weiße Außenseitermaus ein besonderes Talent. Sie kann lesen. Die Geschichten, die sie den anderen aus einem Buch vorträgt, bewirken den Widerstand gegen Willibald. Er wird in eine Mausefalle gelockt und das Rudel damit befreit. Die Kraft von Bildung und Wort kann auch den ärgsten Tyrannen besiegen.

Dass diese bemerkenswerte Aufführung gelang, liegt zum einen an dem überzeugenden Musical, zum anderen aber auch an den engagierten Mitwirkenden. Es ist schön, dass Schule so etwas leistet.