Statt Schulbesuch Unkraut gejätet
Junge Leute waren sich für keine Arbeit zu schade
(L. Jungeblut; Lingener Tagespost vom 09.05.08)


Gern gesehen waren die jungen Damen des Franziskusgymnasiums bei der Firma Baerlocher. Sie engagierten sich im Rahmen der Aktion „Schülerhilfe“. Von links Personalreferent Gerd Altendeitering Stefanie Albers, Hausmeister Ewald Lindemann, Marlene Schultes, Werkleiter Jürgen Bähr, Lydia Heilen, Hanna Heilemann und Ann-Christin Schulten.
 
lj Lingen. Die 18-jährige Iris Nägler hat die richtige Arbeitseinstellung. Mit einem strahlenden Lächeln ließ sich die junge Dame gerne mehrfach im Foto- und Drogeriegeschäft Hartdegen ablichten. Dann war es aber auch gut. „Sonst werde ich mit meiner Arbeit ja nie fertig.“ Die Gymnasiastin hatte die Aufgabe bekommen, den Bestand im Geschäft an der Georgstraße zu erfassen.

S
ie gehörte zu den 114 Schülerinnen und Schülern des 12. Jahrgangs des Franziskusgymnasiums, die sich gestern an der Aktion „Schülerhilfe“ beteiligten. Der Clou an der Sache: Die jungen Leute arbeiteten unentgeltlich einen Tag lang in 96 Firmen und Privathaushalten in der Region. Im Gegenzug stellen die Arbeitgeber den Lohn für das SKM-Präventionsprojekt „Kröten-Werkstatt“ zur Verfügung. Nach den Worten von SKM-Mitarbeiter Michael Grundke gewinnt das Thema Jugend und Geld zunehmend an Bedeutung. „Wegen ihrer Neugierde und Unerfahrenheit sind junge Menschen besonders gefährdet, in das Räderwerk der Verschuldung zu geraten.“ Über Unterrichtseinheiten in Schulen, Elternkursen, Informationen für Lehrer, Ausbilder und Jugendgruppen sowie eine Internetplattform sollen Kenntnisse vermittelt werden, die die Gefahren verringern. „Ziel des Projektes ist es, die Finanzkompetenzen der Jugendlichen und Heranwachsenden zu stärken.“

Konzentriert sichtete Iris Nägler den Bestand des Fotogeschäftes Hartdegen.

Die Maschinenfabrik Paus hatte genug Arbeit für Alexander Verst (vorn links) und Martin Eilermann (rechts daneben). Karl Schomaker (ganz links), Theo Brockhaus und Heiner Altena lobten die jungen Leute. 2. von rechts Geselle Moritz Rasche.
Pünktlich um 6.45 Uhr waren Alexander Verst und Martin Eilermann gestern in der Maschinenfabrik Paus in Emsbüren zur Stelle. „Arbeit haben wir genug“, betonte Prokurist Heiner Altena. So galt es zum Beispiel, Schrauben zu sortieren. Alexander Verst fuhr außerdem mit einem Betriebsangehörigen nach Münster, wo Montagearbeiten auf die beiden warteten. „Ich kann mir gut vorstellen, später Maschinenbau zu studieren“, sagte Eilermann, der auf dem elterlichen Hof in Hesselte mit Landmaschinen sozusagen großgeworden ist.
Seit 1968 fertigt die Maschinenfabrik Paus Spezialfahrzeuge für einen internationalen Markt. Zur Belegschaft gehören rund 200 Mitarbeiter. Großen Wert legt die Firma auf die Ausbildung. „Wir brauchen qualifizierte Spezialisten“, unterstrich Betriebsleiter Theo Brockhaus.
Dass auch junge Damen richtig anpacken können, bewiesen Hanna Heilemann, Marlene Schultes, Stefanie Albers, Ann-Christin Schulten und Lydia Heilen bei der Firma Baerlocher in Lingen. Bereits gegen 10.30 Uhr hatten sie 23 Kartons mit alten Akten verpackt, die noch fünf Jahre gelagert werden müssen. Außerdem säuberten sie die Außenanlagen von Unkraut. Die jungen Damen sahen den Arbeitseinsatz als willkommene Abwechslung zum Schulalltag.
Werkleiter Jürgen Bähr: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich junge Leute so vorbildlich ehrenamtlich engagieren.“