Parteien an der Jugend nicht interessiert?
Leistungskurs Politik des Franziskusgymnasiums hofft auf mehr
Mitwirkungsmöglichkeiten
(Bericht von Johanna Bollmann und Annika Fickers)
Es ist 7.20 Uhr, Zeit für die PISA-Polizei. Allmorgendlich
sendet der Radiosender N-Joy die lustigsten Antworten junger Leute auf Fragen
zur Allgemeinbildung.
Diesmal geht es um Politik:
„Was bedeutet ‚eine schwarz-gelbe Koalition’?“
„Vielleicht Freundschaft?“
„Welche Partei ist denn schwarz?“
„Ähm, die Grünen.“
„Die sind doch grün.“
„Ich glaub’, dann die PDS.“
„Und wer ist gelb?“
„Gelb? Die SPD!“
Alles Zufall? Leider nein: Glaubt man der aktuellen Shell-Studie, so geben 61%
der Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren an, sich kaum oder gar nicht
für Politik zu interessieren. Wo liegen die Gründe?
Betrachtet man das Fernsehen als eines der am häufigsten gewählten
Informationsmedien, fällt unter anderem auf, dass Politiker sich in Polit-Talkshows
häufig wenig vorbildlich verhalten. Zum Beispiel lassen sie sich nicht
ausreden und attackieren sich gegenseitig häufig unangemessen. Dem Zuschauer
wird so suggeriert, der Unterhaltungswert sei wichtiger als die inhaltliche
Substanz der Diskussion. Dass Wahlversprechen bisweilen nicht eingehalten werden,
verstärkt die kritische Distanz des Zuschauers. Hier erinnert Florian Rogge
an die Kehrtwende der SPD bezüglich der Mehrwertsteuerfrage. „Die
gesamte Politik hat ein Image-Problem“, schlussfolgert Matthias Mensch.
Gründe für die Politikverdrossenheit bei Jugendlichen müssten,
so Monika Hegger, ebenso im familiären und gesellschaftlichen Umfeld der
Jugendlichen gesucht werden. Steffen Kamprolf würde daher verstärkt
die Eltern in die Verantwortung nehmen: „Sie müssen als Vorbildfunktion
tätig sein und das Lesen der Zeitung zur Gewohnheit machen. Außerdem
sollte das regelmäßige Verfolgen der Tagesschau gefördert werden.“
Wenn gerade Jugendliche politikfern sind, dann lässt sich dies teilweise
auch auf das sogenannte „schwierige Alter“ zurückführen.
Häufig sind die betroffenen Jungen und Mädchen - im Zuge ihres individuellen
Reifeprozesses - vorrangig mit sich selbst und weniger mit der Gesellschaft
im Ganzen beschäftigt. Das schließt ein grundsätzliches politisches
Interesse zwar nicht aus, doch orientiert sich dieses dann primär an dem
Unrecht, das in der Welt existiert. Themen wie Krieg, Arbeitslosigkeit oder
soziale Benachteiligung werden von vielen Jugendlichen ganz besonders wahrgenommen.
Jedoch erkennen diese keine besonderen und vor allem effektiven Bemühungen
der Bundestagsabgeordneten, solche sozialen Missstände nachhaltig zu verbessern.
Vielmehr erhalten sie das Bild einer kapitulierenden und verstärkt auf
die Wirtschaft ausgerichteten Politik.
![]() |
Über Gründe der Politikverdrossenheit vieler Jugendlicher
diskutierten (von links) Michael Berning, Bastian Klaß, Monika
Hegger, Johanna Bollmann, Annika Fickers, Seffen Kamprolf, Florian Rogge,
Matthias Mensch und Christian Falk. |
Es mag zudem der Eindruck entstehen, dass die großen
Volksparteien eher wenig an den Wünschen und Bedürfnissen Jugendlicher
interessiert sind, vielleicht auch deshalb, weil diese insgesamt nur einen geringen
Prozentsatz der Wählerstimmen ausmachen.
Zudem scheint es, gerade in den Zeiten einer Großen Koalition, als ob
die großen Parteien einen politischen “Einheitsbrei“ anböten.
Wer erkennt heutzutage noch, ob ein aktueller Vorschlag zum Beispiel von der
SPD oder von der CDU kommt?
Zum Leidwesen aller Demokraten bezieht beispielsweise die rechtsradikale NPD
offensiv Stellung und fängt Jugendliche direkt bei ihren Sorgen und Problemen
ab. So lockt sie Heranwachsende durch das Gefühl des Verstandenwerdens
und unterstützt auf Dauer womöglich eine zunehmende Belastung der
demokratischen Kultur in Deutschland.
Michael Berning weist ferner darauf hin, dass „Jugendliche sehr wohl Engagement
zeigen und dabei optimistisch und zielorientiert mitarbeiten. Sie wollen aber
gleichzeitig schnell Ergebnisse ihrer Arbeit sehen, weshalb sie sich in erster
Linie in Vereinen, Schulen und Kirchengemeinden betätigen.“
Die mit dem immer geringer werdenden Interesse für Politik einhergehende
sinkende Wahlbeteilung liegt demnach nicht nur an fehlendem Willen sich zu engagieren.
Daher sollten sich die Politik und insbesondere die Parteien die Frage stellen,
wie man die Jugendlichen künftig mehr in das politische Geschehen einbeziehen
und sie dafür begeistern kann.