Neue Erfahrungen für Religionskurse (Jg. 13)


Woody Allen sagt einmal: „Ich habe keine Angst vorm Tod, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es mir passiert.“ Damit drückt er aus, was in unserer Gesellschaft schon lange aktuell ist: Der Tod wird verdrängt. Wir, die Religionskurse des Jahrgangs 13, haben uns allerdings mit diesem Thema auseinander gesetzt. Am Nachmittag des 12. Oktober 2006 fuhren ca. 20 Schüler/innen aus zwei Kursen freiwillig zur Palliativstation des Elisabethkrankenhauses nach Thuine, wo wir von Herrn Klues herumgeführt wurden, der uns einen sehr persönlichen Einblick in seine Arbeit dort bot.

Auf dieser kleinen Station soll die verbleibende Lebenszeit der Kranken so angenehm wie möglich gestaltet werden. „Pallium“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Mantel. Den Patienten wird Schutz gewährt, ein Ort der Ruhe und Sicherheit gegeben. Nach monate- oder jahrelangem Krankenhausaufenthalt sicherlich eine Erlösung. Daher wird besonderer Wert auf Schmerzlinderung und persönliche Pflege gelegt, im Gegensatz zu einer normalen Station eines Krankenhauses. Hierbei ist natürlich Zeit einer der wichtigsten Faktoren. Und die nehmen sich dort alle Beteiligten. Angefangen vom Arzt, der eine ausführliche Besprechung des Tagesablaufs mit den Patienten durchführt und auf individuelle Wünsche Rücksicht nimmt. Dann natürlich auch die Angehörigen, Freunde, also das gesamte soziale Umfeld des Kranken, die in die Behandlung mit einbezogen werden und sozusagen auch selbst behandelt werden. Denn die Station bietet sogar ein Wohnzimmer sowie eine Teeküche, wo neue Kraft geschöpft werden kann, zum Beispiel durch Austausch von Erfahrungen oder einfach durch den Genuss eines „Tatorts“. Des weiteren können die Patienten ihre Zimmer (in warmem Gelb mit indirekter Beleuchtung) selbst gestalten, sogar den Lieblingssessel hineinstellen. Angehörige können jederzeit auch dort übernachten.

Beruhigung und Schmerzlinderung können die Patienten vor allem durch Medikamente sowie durch spezielle Therapien (Aromen und Klänge) bekommen. Zu diesem Zweck steht im Flur der Station ein Gerüst mit vielen Klangschalen unterschiedlicher Größe, die gegebenenfalls auf dem Körper des Patienten verteilt werden. Einmal angeschlagen, rufen sie eine Vibration der Wassermoleküle des Körpers hervor, die eine tiefe Entspannung zur Folge hat. Nachdem uns Herr Klues diese Methode nahe gebracht hatte, begaben wir uns in einen Seminarraum, wo wir uns hauptsächlich in Fallbeispielen mit dem Thema Tod auseinander setzten. Wir konnten alle Fragen stellen, die uns auf dem Herzen lagen, und diskutierten über aktive beziehungsweise passive Sterbehilfe. Herr Klues gab uns erschütternde Einblicke in Einzelschicksale, die uns sicher noch lange beschäftigen werden.

Selbst die Pflegenden brauchen Hilfe bei der Verarbeitung und so gibt es eine wöchentliche Zusammenkunft (Supervision), wo ein Austausch stattfindet, sowohl auf medizinischer als auch auf persönlicher Ebene.

Verdrängung des Todes in der Gesellschaft? Jedenfalls nicht auf der Palliativstation in Thuine. Hoffentlich können sich noch mehr Menschen von diesem Konzept überzeugen lassen!

Ein Baustein unter vielen: Schmerztherapie mit Hilfe von Klangschalen
Selbstversuch: Entspannung durch Vibration von Wassermolekülen im Körper