Lingener Kammerorchester erfreute mit guten Solisten
Klangzauber der nordischen Romantik erntete viel Applaus

(Horst Seipelt, Lingener Tagespost vom 05.07.2007)

LINGEN. Ein ausgesprochen schönes Programm, dazu noch thematisch sinnvoll zusammengestellt, das erlebt man selten. Dem Lingener Kammerorchester und seinem Leiter Olaf Nießing sei vorweg schon für diese glückliche Programmgestaltung gedankt.
Das zahlreiche Publikum tat es im Lingener Theater auf seine Weise mit viel herzlichem Applaus.
Auf dem Programm standen Werke von Niels Gade (Dänemark), Franz Berwald (Schweden), Jean Sibelius (Finnland) und Edvard Grieg (Norwegen), die ganze reiche Klangwelt Skandinaviens war vertreten. Griegs beliebte Peer-Gynt-Suiten hob man sich geschickt als Höhepunkt für den zweiten Programmteil auf.
Gades Ouvertüre „Nachklänge von Ossian" (1841) ist noch ganz im Fahrwasser Mendelssohns, brachte aber auch schon das Lokalkolorit von Gades Heimat in die Musik ein. Das gut besetzte Lingener Kammerorchester, an einigen Pulten verstärkt durch Musiker des „Drents Symfonie Orkest", bereitete diesem Erstlingswerk eine wirksame Aufführung.
Geschickt legt Nießing die lange Steigerung aus den tiefen Streichern bis in die hohen Register an. Eine furiose mehrstimmige Fanfare treibt das kraftvolle Werk voran.
Bernhard Wesenick war der Solist in Berwalds Fagottkonzert (1827). Dem Kammerorchester ist dafür zu danken, dass es dieses virtuose Konzertstück in das Programm aufgenommen hat. Es gehört sicher mit zum Schönsten seiner Gattung, von Bernhard Wesenick virtuos und klangschön gestaltet.
Hornsignale eröffnen das Intermezzo der Karelia-Suite (1892) von Jean Sibelius, ein Jagdstück, bilderreich und plakativ. Die Ballade brachte dann das erste finnische Klangidiom. Geheimnisvolles aus alten Sagen klang an, schön vom Englischhorn vorgetragen. Ein grandioser Schluss beendete diese eindrucksvolle Orchesterleistung – schon vor der Pause großer Applaus.
Von der Klavierstunde bis zum Musikunterricht war Griegs Morgenstimmung" so manchem ein treuer Begleiter. So war es geradezu wohltuend, einmal ein paar unbekannte - wenn auch ungewollte – Flötentöne zu hören. Besonders schön gelang der reine Streichersatz in „Ases Tod".

„In der Halle des Bergkönigs" hatte der Chor des Franziskusgymnasiums seine Bewährungsprobe. Er hinterließ auch in den weiteren Beiträgen einen leistungsstarken Eindruck.

Lilli Wünsch ist eine Sopranistin mit einer großen, gut geführten Stimme. Besonders „Solvejgs Lied" kann man sich nicht schöner vorstellen. Am Ende des Konzertes gab lang anhaltenden, starken Applaus.