Stundenpläne sind eine Wissenschaft für sich
Franziskusgymnasium: Sr. Antonia koordiniert den Unterricht
Bericht in der Lingener Tagespost vom 15.03.2006
von Julia Adler (11c), Kristina Beck (9a), Anne Gansfort (11b), Katharina Erdmann (9a) und Franziska Varel (9a)

LINGEN. Erst vor knapp zwei Monaten musste Sr. Antonia vom Lingener Franziskusgymnasium aufgrund des zum Halbjahr wechselnden Epochenunterrichts zwei bis drei Tage damit verbringen, die Stundenpläne für alle 1100 Schüler und 80 Lehrer umzustellen. Und jetzt beginnen bereits die ersten Überlegungen für den Plan des Schuljahres 2006/07.
Konkret vorliegen werden diese Pläne aber erst nach der 14-tägigen Endbearbeitung kurz vor Schulbeginn. Denn Lehrer, Schüler und Räume perfekt einzuteilen, das erfordert eine gewaltige Organisation. Schließlich sollen in 45 Klassen innerhalb einer Woche über 1460 Schulstunden unterrichtet werden.
„Beim Stundenplan erstelle ich zunächst den komplizierten Plan für die Oberstufe, um spätere Fehler zu vermeiden“, erklärt die seit 1971 für diese Aufgabe zuständige Sr. Antonia in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Dann werden die doppelstündigen Fächer Sport und Kunst eingeteilt, um hier Überschneidungen mit den meist einstündigen Oberstufenkursen vorzubeugen. „Nachdem dann die Sprach- und Religionsstunden der Mittelstufe, die wegen gemischter Klassen parallel liegen müssen, festgelegt sind, folgen die weniger komplizierten Fächer“, berichtet die Mathe- und Physiklehrerin weiter.
Ein Problem ist dabei der Fachraummangel. „So können zum Beispiel von 79 Physikstunden in einer Woche nur 68 in einem der beiden Fachräume stattfinden. Diese sind dann maximal ausgelastet“, erklärt Sr. Antonia: „Die anderen elf Stunden müssen in Klassenräumen stattfinden. Durch solche Raumprobleme wird das Erstellen des Stundenplans natürlich komplizierter“.
Auch werde beim Planen darauf geachtet, dass der Stundenplan für Lehrer und Schüler erträglich ist. „So sollte ein Fach also nicht zweimal in der ersten oder letzten Stunde unterrichtet werden. Und auch die Lehrer sollten nicht unbedingt drei unterrichtsfreie Stunden am Tag haben“, erklärt Sr. Antonia. In diesen Freistunden können die Lehrer dann aber auch als Vertretungslehrer eingeteilt werden. Die Planung für Vertretungen beginnt für Sr. Antonia jeden Tag um 7.30 Uhr – nur am Mittwoch übernimmt Manfred Bültel diese Aufgabe.
Für die gesamte Stundenplanerstellung benutzt das Franziskusgymnasium dabei seit 1988 das in der Schweiz entwickelte und weltweit erfolgreiche Computerprogramm „gp-Untis“, welches die Arbeit erheblich vereinfacht. Von 1971 bis 1988 wurde die gesamte Planung noch mithilfe eines Steckplans koordiniert. „Große Probleme hat es aber noch nie gegeben“, lächelt die Schwester stolz – schließlich ist sie seit 34 Jahren für die Stundenpläne zuständig. Etwa ein Jahr bleibt sie dem Franziskusgymnasium noch erhalten, dann werden ihr Kollege Bültel und ein weiterer Lehrer die Stundenpläne organisieren. „Dieser Kollege muss aber schon bald im Team mitarbeiten, denn es bedarf einiger Zeit, sich in das komplexe System einzugewöhnen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin, die sich das alles in drei bis vier Jahren selbst aneignete.

Seit 1988 gestaltet Sr. Antonia am Franziskusgymnasium den Stundenplan am Computer – zuvor war ein großer Steckplan im Einsatz (hinten).