| LINGEN. Erst vor knapp zwei Monaten musste Sr. Antonia
vom Lingener Franziskusgymnasium aufgrund des zum Halbjahr wechselnden
Epochenunterrichts zwei bis drei Tage damit verbringen, die Stundenpläne
für alle 1100 Schüler und 80 Lehrer umzustellen. Und jetzt beginnen
bereits die ersten Überlegungen für den Plan des Schuljahres
2006/07.
Konkret vorliegen werden diese Pläne aber erst nach der 14-tägigen
Endbearbeitung kurz vor Schulbeginn. Denn Lehrer, Schüler und Räume
perfekt einzuteilen, das erfordert eine gewaltige Organisation. Schließlich
sollen in 45 Klassen innerhalb einer Woche über 1460 Schulstunden
unterrichtet werden.
„Beim Stundenplan erstelle ich zunächst den komplizierten Plan
für die Oberstufe, um spätere Fehler zu vermeiden“, erklärt
die seit 1971 für diese Aufgabe zuständige Sr. Antonia in einem
Gespräch mit unserer Zeitung. Dann werden die doppelstündigen
Fächer Sport und Kunst eingeteilt, um hier Überschneidungen
mit den meist einstündigen Oberstufenkursen vorzubeugen. „Nachdem
dann die Sprach- und Religionsstunden der Mittelstufe, die wegen gemischter
Klassen parallel liegen müssen, festgelegt sind, folgen die weniger
komplizierten Fächer“, berichtet die Mathe- und Physiklehrerin
weiter.
Ein Problem ist dabei der Fachraummangel. „So können zum Beispiel
von 79 Physikstunden in einer Woche nur 68 in einem der beiden Fachräume
stattfinden. Diese sind dann maximal ausgelastet“, erklärt
Sr. Antonia: „Die anderen elf Stunden müssen in Klassenräumen
stattfinden. Durch solche Raumprobleme wird das Erstellen des Stundenplans
natürlich komplizierter“.
Auch werde beim Planen darauf geachtet, dass der Stundenplan für
Lehrer und Schüler erträglich ist. „So sollte ein Fach
also nicht zweimal in der ersten oder letzten Stunde unterrichtet werden.
Und auch die Lehrer sollten nicht unbedingt drei unterrichtsfreie Stunden
am Tag haben“, erklärt Sr. Antonia. In diesen Freistunden können
die Lehrer dann aber auch als Vertretungslehrer eingeteilt werden. Die
Planung für Vertretungen beginnt für Sr. Antonia jeden Tag um
7.30 Uhr – nur am Mittwoch übernimmt Manfred Bültel diese
Aufgabe.
Für die gesamte Stundenplanerstellung benutzt das Franziskusgymnasium
dabei seit 1988 das in der Schweiz entwickelte und weltweit erfolgreiche
Computerprogramm „gp-Untis“, welches die Arbeit erheblich
vereinfacht. Von 1971 bis 1988 wurde die gesamte Planung noch mithilfe
eines Steckplans koordiniert. „Große Probleme hat es aber
noch nie gegeben“, lächelt die Schwester stolz – schließlich
ist sie seit 34 Jahren für die Stundenpläne zuständig.
Etwa ein Jahr bleibt sie dem Franziskusgymnasium noch erhalten, dann werden
ihr Kollege Bültel und ein weiterer Lehrer die Stundenpläne
organisieren. „Dieser Kollege muss aber schon bald im Team mitarbeiten,
denn es bedarf einiger Zeit, sich in das komplexe System einzugewöhnen“,
sagt die stellvertretende Schulleiterin, die sich das alles in drei bis
vier Jahren selbst aneignete.
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