Ein Sportmethodenbuch - illustriert von SchülerInnen des Franziskusgymnasiums
Interview zum Abschied von Herrn Achtergarde
(Interview geführt von Werner Nieland)

Herr Achtergarde, der unsere Schule verlässt, um im nächsten Schuljahr eine neue Stelle in Münster anzutreten, hat ein Buch zum Sportunterricht geschrieben. Das Buch trägt den Arbeitstitel „Neue Methoden für den Sportunterricht“ und wird im Herbst 2007 im Meyer-&-Meyer-Sportbuchverlag erscheinen. In einem Interview äußert der junge Autor zum Abschied Einblicke und Anregungen zu neueren Überlegungen in der Sportmethodik und zur Gestaltung des Buches.

Frage: Schüler fertigen Zeichnungen für das Buch eines Lehrers an. Eine ungewöhnliche Idee – Wie kam es dazu?
In dem Buch geht es um neuartige Methoden für den Sportunterricht. Mit Hilfe von Arbeitsblättern sollen Schüler dazu angeleitet werden, den Sportunterricht selbst mehr in die Hand zu nehmen, beispielsweise eigene Übungen und Spiele zu entwickeln oder Turniere in Eigenregie zu organisieren. Es ist also ein sehr schülerorientiertes Buch. Es lag nahe, das Buch und insbesondere die Arbeitsblätter, die für Schüler gedacht sind, auch von Schülern mitgestalten zu lassen.

Frage: Das Buch wird in einem renommierten Sportbuch-Verlag, dem Meyer-&-Meyer-Sportbuchverlag, veröffentlicht werden. Akzeptiert ein solcher Verlag Zeichnungen von Schülern?
Ob Zeichnungen in einem Buch veröffentlicht werden, hängt nicht davon ab, wer sie gezeichnet hat. Es zählt allein die Qualität der Zeichnungen. Und die ist unglaublich. Ingo Schnieders, Kunstlehrer an unserer Schule, gebührt dabei mein großer Dank. Er hat Schüler angesprochen, für das Projekt begeistert und ihnen Tipps beim Zeichnen gegeben. Das Franziskusgymnasium hat, so zeigte sich schnell, herausragende Zeichen-Talente. Um nur einige davon zu nennen: Hermann Hartung (Klasse 11), Kathrin Kahlert und Moritz Weglage (beide Klasse 9). Zu der anfänglichen Frage: Zeichnungen wie die, die von den Schülern gemacht wurden, würde jeder Sportbuchverlag liebend gerne annehmen!


(Zeichnung von Hermann Hartung)

(Zeichnung von Kathrin Kahlert)

Frage: Beim Ansehen der Bilder fällt auf, dass Humor nicht zu kurz kommt. Woher stammen die Ideen für die Bilder?
Ich habe die Ideen für die jeweiligen Bilder kurz skizziert. Ein Beispiel: Schüler sollen anhand eines Arbeitsblattes lernen, wie sie selbständig mit Verletzungen umgehen. Dazu habe ich dann folgende Anregung aufgeschrieben: Ein Schüler hat eine winzige Wunde, aus der Blut tröpfelt, und ruft: „Hilfe, ich verblute!“ Die Schüler haben die häufig nur angerissenen Ideen weiter entwickelt und daraus wirklich witzige Sachen gemacht.
Ursprünglich hatte ich geplant, das Buch mit Fotos aus dem Sportunterricht zu illustrieren. Doch das in vielen Fällen künstliche Arrangement bzw. die künstliche Szenerie wirkte für die Schüler etwas befremdend. Daher habe ich vom Fotografieren Abstand genommen. Letztendlich bin ich froh: Die Intentionen des Buches können mit Hilfe von Cartoons, deren Stilmittel ja die Übertreibung ist, viel besser verdeutlicht werden.


(Zeichnung von Moritz Weglage)
Frage: Du bist ein junger Lehrer. Wie kam es dazu, dass du jetzt schon ein solches - vom Umfang her recht dickes - Buch geschrieben hast?
Die Ur-Fassung des Buches beträgt über 500 Seiten. Wer mir am Anfang gesagt hätte, dass ich so ein langes Buch schreiben werde, den hätte ich vermutlich ausgelacht. Die Idee zum Buch kam während des Referendariats: Dort wurde viel von Schülerorientierung und selbständigem Handeln der Schüler im Sportunterricht gesprochen. Aber Bücher und Anleitungen dazu gab es nicht.
Das Methodentraining nimmt heute in der Schule einen enormen Stellenwert an. Für den Sportunterricht gab es bisher kein eigenes Methodenkonzept. Meine Idee war es, diese Lücke zu schließen. Nach dem Referendariat habe ich ein kurzes Praktikum bei der Zeitschrift „sportpädagogik“ gemacht und dabei viele Anregungen für das Buch gewonnen. Ich habe mir überlegt, was alles in das Buch hinein soll und dann geschrieben, geschrieben und geschrieben…

Frage:
Du arbeitest seit Mai 2004 mit einer vollen Stelle an unserer Schule. Wie lässt sich in so kurzer Zeit ein Buch schreiben?

Meine Freundin ist ein großes Vorbild. Sie arbeitet an der Universität Bremen (zukünftig in Münster) und hat auch bereits einige Veröffentlichungen hinter sich. Da ich meine Freundin bisher leider nur am Wochenende sehen kann, habe ich mich innerhalb der Woche in das Buchprojekt gestürzt. Ich habe ein Jahr lang sehr intensiv an dem Buch gearbeitet; den Kontakt mit Kollegen und Freunden musste ich in der Zeit ziemlich reduzieren. Weil Unterrichtsvorbereitung für mich absoluten Vorrang hat, blieb für die Arbeit an dem Buch allerdings oft nur die Nacht übrig…

Frage: Hast du die Methoden in dem Buch eigentlich schon alle ausprobiert?
Ich bin dabei. Man kann dem Buch sicherlich vorwerfen, dass noch nicht alles praxiserprobt ist. Aber das, was ich bisher ausprobiert habe, funktioniert. Letztendlich ist es mit dem Buch und den darin vorgestellten Methoden wie mit einem Kochbuch bzw. den Rezepten. Auch bei einem Rezept müssen die Zutaten stimmen. Der Koch kann und sollte das Rezept variieren. Und wenn das Rezept nicht funktioniert, muss er es halt verwerfen.
Mir ist ein Sportunterricht, bei dem Dinge ausprobiert werden und (damit auch schief gehen können), in jedem Falle lieber als ein Sportunterricht, bei dem alles immer seinen gewohnten Gang geht. In diesem Sinne ermöglicht das Buch jede Menge spannenden Unterricht. Ich denke, es bietet jedem Sportlehrer sehr viele Anregungen und Hilfen für den Sportunterricht.

Frage: Was planst du für die Zukunft?
Ich werde im August meine neue Stelle in Münster antreten. Ich freue mich, dass ich dann endlich die Möglichkeit habe, mit meiner Freundin zusammen zu ziehen. Den SchülerInnen und KollegInnen des Franziskusgymnsiums wünsche ich für die Zukunft alles Gute.



Frank, ich persönlich bedauere es sehr, dass Du unsere Schule verlässt, kann andererseits aber auch gut verstehen, dass Euch die gemeinsame Zukunft in Münster wichtig ist. Deshalb möchte ich Euch - ich denke auch im Namen des Kollegiums - für Euren weiteren Lebensweg alles Gute wünschen. Die Kopie des Vorabdrucks Deines Sportmethodenbuches, die Du uns SportkollegInnen zur Verfügung gestellt hast, wird uns in Zukunft sicherlich diverse Anregungen und Impulse für die Sportpraxis bieten - auch dafür herzlichen Dank!

Das oben besprochene Buch wird wie das „Schulbuch Sport“ von Bruckmann & Recktenwald in der Edition Schulsport im Meyer-&-Meyer-Verlag erscheinen. Leider steht das Titelbild zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Der „stolze Autor“ und seine Freundin feiern den Abschluss des Buchvertrags auf Korsika.