Taizé – ein Musical
Chronologie einer Uraufführung
(Bericht: Karl-Heinz Ossing; Fotos: Kurt Neukirchen)



Das Lebensgefühl der Jugendlichen getroffen: Die Musicalproduktion "Taizé" des Franziskusgymnasiums begeisterte das Publikum sowohl auf dem Katholikentag in Osnabrück als auch im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe.
( Elisabeth Tondera, LT vom 31.Mai 2008)



Freitag, 23.05., 14.00 Uhr

Eine anstrengende Probenwoche liegt hinter uns. Aber es hat sich gelohnt. Alle sind inzwischen von der Qualität des Stückes überzeugt. In den letzten Tagen ist noch so einiges geändert und optimiert worden. Wir haben jetzt, wo alle beteiligten Gruppen (Orchester, Solisten, Seminarfach, Chor) zusammengeführt worden sind, eine genaue Vorstellung von dem, was auf die Bühne gebracht wird. Zweifel, ob denn unser Taizé-Projekt wohl was werden würde, sind gewichen. Die über 100 am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrer sind durch die letzten Tage zu einem echten Team geworden. Ob bei den Proben oder in den Pausen, ob auf der Bühne, im Orchestergraben und unten in den Katakomben des Theaters - überall ist zu spüren: Das gemeinsame Ziel ist vor Augen und die Zielgerade erreicht. Jetzt steht die Generalprobe an. Eine erste Bewährungsprobe. Und sie klappt! Die Aufführungstermine können kommen. Wir freuen uns auf die nächsten drei Tage.

Samstag, 24.05., 06.00 Uhr

Unsere Bühnen-, Licht- und Tonhelfer Dominik, Julian, Sebastian, Alex und Sören machen sich zusammen mit Frau Wellenbrock-Roters und Herrn Ossing auf den Weg nach Osnabrück zum dortigen Stadttheater. Unser Tontechniker Thomas fährt mit Herrn Pohlmann zusammen von Borgloh aus Richtung Katholikentag. Zusammen werden sie empfangen von einem 10köpfigen Team vom Stadttheater. Erste Einstellungen und Vorarbeiten werden erledigt. Viel Zeit ist nicht, steht doch schon die Gruppe auf der Matte, die vor uns ihre Aufführung hat. Um 10.00 Uhr geht’s für alle anderen zusammen mit Herrn Krone und unserem Requisiten-Truck Richtung Katholikentag.

Samstag, 24.05., 12.45 Uhr

Die Gruppe, die vor uns auf dem Katholikentag im Stadttheater ihre Aufführung hat, spielt ihr letztes Stück. Wir stehen in den Startlöchern, um die Garderoben und die Bühne für letzte Stellproben in Beschlag zu nehmen. Um 13.15 Uhr kommt kurz Hektik auf. Die Bühne ist für unsere Großszenen zu klein. Es hilft nichts: Alle morgens angebrachten Vorhänge müssen um 1,5 Meter weiter nach hinten gehängt werden. Für das Team vom Stadttheater kein Problem. Alle packen mit an. 20 min später ist auch dieses letzte Problem gelöst. Um 14.00 Uhr ist auch die Licht- und Tontechnik soweit. Ein letztes Einsingen bringt die Gewissheit: Es ist alles für eine gelungene Uraufführung bereitet.
Erste Meldungen kommen aus dem Vorplatz des Theaters: Riesenlange Schlangen warten darauf, eingelassen zu werden. Nachher wird uns von der Hallenleitung mitgeteilt, dass ca. 800 Besucher vergeblich angestanden haben.

Samstag, 24.05.,14.40 Uhr

Die gesamte Gruppe trifft sich zwecks einer letzten Einstimmung vor dem Seiteneingang des Theaters. Freudige Anspannung liegt in der Luft. Die neun Solisten formieren sich zu einem Kreis und schmettern sich gegenseitig noch einmal einen letzten „Schlachtruf“ zu. Jeder hat so seine eigene Art, mit seiner Nervosität umzugehen.

Samstag, 24.05.15.00 Uhr

Die Uraufführung beginnt mit einem Schockmoment. Der Orchestergraben hat gerade in dem Moment, wo es losgeht, kein Strom. Aber das Problem ist schnell behoben. Es geht los. Und wie! Alles läuft ohne auch nur eine einzige Panne. Wir haben das Gefühl, dass das Stück nicht nur ankommt, sondern die Zuschauer an bestimmten Stellen regelrecht gerührt sind. Die Solisten spielen ihre Rolle top, das Orchester läuft zu großer Form auf, alle Mitspieler und der Chor geben alles.

Samstag, 24.05., 16.55 Uhr

Die Uraufführung unseres Musicals ist zu Ende. Alle Beteiligten genießen den Applaus und den Zuspruch, der aus ersten Reaktionen nach der Vorstellung zu hören ist.
Nachdem all unsere Sachen wieder eingepackt sind, geht’s für einen Teil der Gruppe wieder zurück nach Lingen, die anderen genießen am Abend das Wise-Guys-Konzert auf dem Katholikentag. Für diese Gruppe geht es erst spät in der Nacht wieder nach Hause.


Sonntag, 25.05., 11.00 Uhr

Einige Jungs laden den LKW aus und bauen für die Premiere in Lingen die Sachen wieder auf. Nachmittags steht neben dem Bühnenbild auch die Tontechnik wieder. Später stellen wir fest, dass ein Schlagzeugteil fehlt, aber für Ersatz ist schnell gesorgt.

Sonntag, 25.05., 19.40 Uhr

Die Premiere in Lingen steht kurz bevor. Das Theater ist ausverkauft. Heute sitzen die Familie, Freunde und Bekannte im Publikum. Da gilt es, besonders konzentriert zu sein und die gestrige Uraufführung noch einmal zu toppen – auch wenn das gar nicht möglich ist. Wir treffen uns alle unten in der Garderobe und stimmen uns ein. Allen ist die Freude auf die nächsten zwei Stunden anzumerken.

Sonntag, 25.05., 20.00 Uhr

Der Vorhang zur Lingener Premiere geht auf. Heute hat auch der Orchestergraben Strom. Alles klappt perfekt. Wir haben genau wie gestern das Gefühl, dass das Publikum bei den stimmungsvollen Großszenen gut mitgeht, jedoch auch ganz still die Momente verfolgt, die nachdenklich sind.

Sonntag, 25.05., 22.20 Uhr

Mit einer kleinen Zugabe beenden wir die Vorstellung. Wir sind uns einig: Ein klein wenig stolz dürfen wir schon sein. Anschließend geht’s ab ins Foyer, wo Eltern, Geschwister, Freunde und Bekannte schon warten. Schulterklopfen tut gut und macht die Mühen der letzten Monate vergessen.

Sonntag, 25.05.,22.40 Uhr

Es beginnt eine „geile“ Premierenparty. Im Foyer tobt der Bär. Mit Peter gesprochen: Es geht so richtig ab! Die 13er haben es gut. Sie brauchen morgen nicht zur Schule. Aber auch bei den anderen hat man nicht den Eindruck, als wenn die morgige Schule wirklich stören würde.

Montag, 26.05., 19.40 Uhr

Einige sind schon noch ein wenig müde. Da gilt es, alle noch einmal aufzuwecken und heiß zu machen. Kurz vor acht Uhr schallt es durch die Katakomben des Lingener Stadttheaters: „Wir sind ein Team!“
Die letzte Aufführung beginnt und geht ebenso glatt und stimmungsvoll über die Bretter, die die Welt bedeuten, wie bei den zwei Vorstellungen vorher auch.

Montag, 26.05., 23.00 Uhr

Es ist vorbei. Wir haben es geschafft. Es hat Spaß gemacht. Die Lingener Tagespost würdigt einige Tage später in ihrem Bericht über unser Musical unsere Leistung: „Es ist eine Produktion entstanden, die durch ihre Aktualität, die realitätsnahe Schilderung einer Gruppe und die emotionale Dichte überzeugt… Handwerklich perfekt und mit starkem Ausdruck überzeugen das Orchester, die Band, der Chor und die Solisten. Das Stück spielt sich auf einer sehr hohen emotionalen Ebene ab… Beeindruckend das spielerische Engagement und das Identifikationsvermögen der jungen Darsteller.“
Was will man mehr!

Bericht zum Musical in der Lingener Tagespost (mehr)