„Linie 1“, die
diesjährige Produktion des Franziskusgymnasiums Lingen, erwies sich
als wahrer Publikumsmagnet. Die Premiere des erfolgreichsten deutschen
Musicals wurde enthusiastisch gefeiert. Und das zu Recht.
Das Geschehen in „Linie 1“, 1986 von dem legendären Berliner Grips-Theater uraufgeführt, ist schnell berichtet: Eine junge Ausreißerin aus der Provinz macht sich in Berlin auf die Suche nach einem Musiker, in den sie sich während eines Gastspiels in ihrem Heimatort verliebt hat. Am berühmt-berüchtigten Bahnhof-Zoo steigt sie ein in die U-Bahn Linie 1 in Richtung Berlin-Kreuzberg. Doch nicht ihr Märchenprinz begegnet ihr. Stattdessen trifft sie im Berliner Untergrund Ausgeflippte, Punks, kleinbürgerliche Spießer, schrille Tussis, schräge Vögel, abgedrehte Freaks, verkommene Typen und Überlebenskünstler aller Art mit ihren großen und kleinen Problemen. Die Fahrt in der U-Bahn entwickelt sich für das Mädchen zu einem urbanen Erlebnisrausch, zu einem vitalen Panoptikum der Großstadt Berlin und ihrer „Typen“. |
Dieses darstellerisch und musikalisch anspruchsvolle Stück erfolgreich auf die Bühne zu bringen, stellt hohe Anforderungen an die Produzenten. Zu Dieter Krone, der in Kooperation mit Kollegen seit Jahren immer wieder musikalische Großproduktionen als Leiter und Gesamtverantwortlicher initiiert und einem breiten Publikum außerordentlich erfolgreich präsentiert, gesellten sich dieses Mal zwei Partner, die maßgeblich am Gelingen des Projekts beteiligt sind. In den Händen von Birgit Kampling und Oliver Thoben lag die Inszenierung des Stückes. Mit Sachverstand, effektvollen Ideen und einem guten Gespür für das Machbare produzierte das dreiköpfige „Kompetenzteam“ ein lebendiges und engagiertes Musiktheater, das Maßstäbe setzte. |
Dass die musikalische Revue als beste Unterhaltung auf die Bühne gebracht wurde, ist insbesondere der Spielfreude und dem Talent der jungen Schauspieler/innen zu verdanken. So manche Rolle wurde von ihnen derart gekonnt verkörpert, wie man es von Amateuren, noch so jungen dazu, eher nicht erwartet. Allen voran sicherlich die Hauptdarstellerin Julia Klumparendt als Sunnie, die hier stellvertretend für die Vielzahl der großartigen Gesangsolisten und Schauspieler genannt sein soll. Wie sie mit ihrer sicheren und starken Stimme umzugehen wusste, steht einem Profi in nichts nach. Schon ihr erster Auftritt wurde mit großem Beifall bedacht, und auch alle weiteren Geschichten um die U-Bahnhöfe Wittenbergplatz , Schlesisches Tor oder Gleisdreieck zogen die Zuschauer in ihren Bann. Die Sängerinnen und Darsteller – viele von ihnen übernahmen gleich mehrere Parts – agierten höchst konzentriert, ohne dabei angestrengt zu wirken. Auch kleinere technische Hürden wurden mit Schwung und Selbstbewusstsein gemeistert. In einer auf schnelle Szenenwechsel geschickt abgestimmten Kulisse, die die Dimensionen der Bühne voll auszunutzen wusste und das Ambiente der Schauplätze treffend abbildete, entwickelte sich ein actionreiches Treiben von Station zu Station – manchmal grell, laut und witzig, dann aber auch nachdenklich und mit leisen Tönen. |
Überhaupt fesselte die Inszenierung durch die Kontrastierung von besinnlichem Ernst und derber Komik. Bissige Gesellschaftssatire wechselte unvermittelt mit Klamauk oder romantischen Träumereien über die Tücken des Lebens und der Liebe. Die schrille und facettenreiche Kostümierung könnte ohne Weiteres der realen Modekultur eines Großstadt-Kiez´ entstammen. Besonders attraktiv waren die „Massenszenen“. Klasse der Einfall mit den rhythmisch wippenden Lesern der Berliner Zeitung („Du sitzt mir gegenüber“) oder das Lied über die „Dicke, fette Liebe“, dem wohl populärsten Song dieses Musicals! Und dass die unverbesserlich-reaktionären „Wilmersdorfer Witwen“ von vier Lehrern ihrer Schule persifliert wurden, brachte nicht nur die Schüler aus dem Häuschen. |
Ein wesentlicher Bestandteil eines Musicals ist nun mal die Musik. Und die besorgte die Schulband „Hack & Mett“ immerhin fast drei Stunden lang aufmerksam und verlässlich. Die jungen „Mucker“ boten die unersetzliche Grundlage für das Gelingen des Abends. Ihrer großen Aufgabe wurden sie voll gerecht. Nicht nur die Geschlossenheit der Ensembleleistung garantierte die hervorragende Resonanz bei den Zuschauern, sondern auch der spürbare Teamgeist aller Mitwirkenden und Helfer, die nicht im Rampenlicht standen. |
Johannes Pruisken, Schulleiter des Franziskusgymnasiums,
gratulierte den drei verantwortlichen Kollegen zu der bemerkenswerten
Leistung und hob besonders die unermüdliche Probenarbeit der Schüler/innen
während der Ferien und etlicher Wochenenden hervor: „Ihr habt
uns einen grandiosen Abend bereitet. Ihr und wir können stolz auf
euch sein!“ Großes Finale: Schauspieler, Sänger, Tänzer, Instrumentalisten, Requisite, Maske, Bühnentechnik – die künstlerische und logistische Meisterleistung der über 100 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne wurde mit Standing Ovations, Präsenten und großen Blumensträußen belohnt. |